“Mord auf Schloß Haversham” am 12.11.2016: Der Butler war es… diesmal nicht

‘Selten sah man etwas Dilettantischeres und Stümperhafteres auf einer Bühne als bei dieser Aufführung von „Mord auf Schloß Haversham“. Die Darsteller waren schlimmer als Laien, die Technik war mehr auf als hinter der Bühne und das Bühnenbild eine Katastrophe, die bei der kleinsten Erschütterung in sich zusammenbrach. Die Texte wirkten einstudiert und wurden auf Biegen und Brechen heruntergeleiert, egal ob es Sinn ergab oder nicht. Auch der ständige Personalwechsel war sehr irritierend und einfach nur peinlich…’

So oder so ähnlich könnte eine Rezension aussehen, wenn man bei dem Stück „Mord auf Schloß Haversham“ alles wörtlich nehmen würde. Doch das Stück heisst ja nunmal nicht umsonst „The Play that goes wrong“. Und im Ernst, in dem Stück geht echt alles schief, was nur schief gehen kann. Und das natürlich sehr zur Freude des Publikums. So war es auch in Hof am 12.11.2016 bei der Premiere.

Das Publikum bog sich richtig vor Lachen und man hatte Tränen in den Augen. Es erschien alles so leicht und einfach, doch kann man sich sicher sein: Komödien sind am schwersten zu spielen. Und dieses Stück ist laut einigen Regisseuren wohl das Schwerste überhaupt. Doch all dies war für das Ensemble des Theaters Hof kein Problem. Der Abend verflog in Gelächter und Amüsement.

Darsteller:
Anja Stange: Annie, Inspizientin
Oliver Hildebrandt: Trevor, Licht- und Tontechniker
Dominique Bals: Chris, Vorsitzender der Theatergruppe, spielt Inspektor Carter
Peter Kampschulte: Jonathan, spielt Charles Haversham
Philipp Brammer: Robert, spielt Thomas Colleymoore
Florian Bänsch: Dennis, spielt Perkins
Jörn Bregenzer: Max, spielt Cecil Haversham und Arthur
Susanna Mucha: Sandra, spielt Florence Colleymoore

Anja Stange gab eine bezaubernde und sich wirklich in alles einbringende Inspizientin Annie, die mit Leib und Seele und vollem Körpereinsatz bei diesem Stück mitwirkte. Trevor aka Oliver Hildebrandt lernte man schon zuvor kennen, da er stückgerecht auch während des Einlasses ganz verzweifelt nach seiner Duran-Duran-CD suchte. Dominique Bals war als Chris einfach perfekt, man fühlte richtig seine Verzweiflung und seine Aufregung und konnte sich sehr gut vorstellen, dass dieser Charakter am liebsten in einer Ecke sitzen und weinen würde.

Wer glaubt Peter Kampschulte hatte die leichteste Rolle, der irrt sich. Er spielt zwar den verstorbenen Charles Haversham, doch tut ihm bestimmt seine Hand weh. Warum? Verraten wir nicht. Philipp Brammer passte perfekt in die Rolle des Thomas Colleymoore und erfüllte sie mit Leben. Selten sah man einen besseren Butler als Perkins, gespielt von Florian Bänsch.

Jörn Bregenzer belebte seine beiden (oder besser drei) Rollen mit soviel wundervollen und perfekt getimten Bewegungen, es war einfach herrlich. Auch seine Abgänge waren immer wieder einen Lacher wert. Niemand könnte Florence Colleymoore besser spielen als Sandra bzw. Sandra Mucha. Sie lebte förmlich beide Rollen.

Alle oben erwähnten Faktoren stimmen wirklich, doch gehört dies alles in dieses Stück-im-Stück. Und so müssen alle Schauspieler glaubhaft schauspielern, dass sie nicht schauspielern können. Und das ist eine der schwersten Aufgaben. Auch das einstürzende Bühnenbild musste genau getimt werden, damit es genau in der richtigen Sekunde zusammenbrach und oder bestimmte Dinge genau im richtigen Moment von der Wand fielen. Und all dies klappte in Hof wirklich en pointe. Es war sehr professionell. Und auch konnte man den Darstellern auf der Bühne den Spass anmerken, den sie bei diesem Stück hatten.

Zurecht, völlig zurecht bekamen die Darsteller am Ende Standing Ovations und nicht enden wollenden Applaus. Für diese Meisterleistung konnte und wollte man einfach nicht aufhören zu applaudieren.

Quelle: Christine Daaé

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