Rezension „Der Ring“ am 19.11.2016 im theater hof: Der eine Ring…

Nein, wir befassen uns jetzt nicht mit Hobbits und Elfen und Orks und dem einen wahren Ring, sondern mit dem anderen wahren Ring, dem Ring der Macht aus dem Nibelungenschatz. Bisher war dieses Epos auf der Bühne nur einem vorbehalten: Richard Wagner mit seinem fulminanten Opernzyklus. Doch nun gibt es ihn: den modernen Ring, neu und von heute, als Musical von Frank Nimsgern.

Sein Musical, auch “Symphonic Rock-Musical” genannt, braucht sich aber hinter dem großen Namen Richard Wagners nicht zu verstecken, ganz im Gegenteil: sein Ring ist genauso schlagkräftig und durchdringend wie der von Wagner, und das in „nur“ 2 Stunden 25 Minuten. Logischerweise hat er das Nibelungenlied gekürzt, doch tut das der Geschichte nun wirklich keinen Abbruch. Sie ist in sich abgerundet und geschlossen.

Die Bühne des theaters hof erbebte bei der gewaltigen Sage und passend dazu wartete man mit gewaltigem Starpotential auf. Mit Chris Murray als Alberich, Jessica Kessler als Zärtlichkeit und Zodwa Selele als Brunhild standen großen Namen auf der Hofer Bühne.

Darsteller und Creative:

Musikalische Leitung: Frank Nimsgern
Inszenierung: Reinhardt Friese
Choreographie: Barbara Buser
Schwertkampf: Tamás Mester
Bühne: Herbert Buckmiller
Kostüme: Annette Mahlendorf
Dramaturgie: Lothar Krause
Regieassistenz und Abendspielleitung: Philipp Gehringer
Inspizienz: Jerzy Barankiewicz
Musikalische Einstudierung und Korrepetition: Michael Falk
Regiehospitanz: Laura di Benedetto, Felicitas Goltz
Dramaturgiehospitanz: Miriam Arnusch

Alberich: Chris Murray
Wotan Christian Venzke
Siegfried: Christopher Brose
Brunhild: Zodwa Selele
Zärtlichkeit: Jessica Kessler
Lust: Cornelia Löhr
Schmerz: Georgia M. Reh
Musiker: Frank Nimsgern, Michael Falk, Ralf Wunschelmeier, Philipp Renz
Ballett Theater Hof
Musicalclub Theater Hof

Chris Murray stand schon des Öfteren auf der Bühne des Theaters Hof, auch als Albert Einstein (wir berichteten). Er ist ein alter Hase auf der Bühne und gab der Rolle des Zwergen Alberich soviel Leben und Lebensfreude, es war eine wahre Pracht ihm zuzusehen und zuzuhören. Solch einen Alberich wünscht man sich. Besonders seinen kleinen und bissigen Kommentare waren einfach genial und lockerten die Szenen immer wieder auf, sehr zur Freude und dem Gelächter des Publikums.

Zodwa Selele ist vielen bekannt aus dem Musical “Sister Act” und war das erste Mal auf der Hofer Bühne. Sie spielte die Brunhild, Wotans Tochter und man kann nur eines sagen: Sie war einfach unschlagbar. Solch eine Bühnenpräsenz erlebt man selten und sie spielt und singt mit solch einer Leichtigkeit und dennoch voller Energie, dass einem der Mund offen stehen blieb. Mehr als einmal hörte man den Begriff „Powerfrau“. Und das ist sie wirklich.

Christian Venzke gab Wotan, den Göttervater. Schon allein sein Auftreten und seine Gestalt verliehen ihm etwas Majestätisches. Mit seinem schwarzen Mantel und seiner außergewöhnlichen Frisur zog er die Blicke automatisch auf sich. Und seine Stimme erst… Egal ob er als Gott oder als Sterblicher auftrat, sein Auftritt war immer dem eines Gottes würdig.

Ihm gegenüber stand Siegfried, aus Eisen geschmiedet und durch Drachenblut unverwundbar geworden. Gespielt von Christopher Brose. Und er war wirklich ein Siegfried: gestählter Körper und eine Stimme, die zum Träumen einlud. Eine Idealbesetzung.

Die drei Rheinamazonen und die Feuergeister waren Jessica Kessler, Cornelia Löh und Georgia M. Reh. Diese drei waren so herrlich erfrischend und leicht. Es war eine wahre Freude, ihnen zuzusehen und zuzuhören. Ihre Stimmen harmonierten miteinander, doch auch ihre Soli waren voller Kraft und dennoch anmutig.

Allesamt berauschten und berührten das Hofer Publikum in dem ausverkauften Saal. Es herrschte wirklich erstauntes und gebanntes Schweigen ob des Spektakels auf der Bühne. Als sich die Hebebühne in die Schmiede Alberichs verwandelte, stockte besonders den Zuschauern in den vordersten Reihen der Atem vor Ehrfurcht. In Bühnennebel getränkt wurde so auch der Zuschauer ein Teil des Geschichte. Im hinteren Teil spielte sich alles, was in Walhalla spielte, ab. Und wussten Sie, dass Walhalla aussieht wie das Bayreuther Festspielhaus. Ein gelungener Gag und eine tolle Anspielung auf Richard Wagner. Immerhin läßt Nimsgern einige seiner Lieder absichtlich an Wagners Epos erinnern. Ist er doch der Sohn eines berühmten Wagner-Sängers.

Man mag nicht glauben, was oder wer alles auf die Bühne des Hofer Theaters passte! Sogar zwei Riesen gab es dort und einen Drachen. Seine Darstellung war einfach atemberaubend und verblüffend zugleich – man traute seinen Augen kaum.

Besonders beeindruckend waren auch die Schwertkampfszenen, bei denen man den Eindruck hatte, als würden dort wirklich zwei Feinde gegeneinander antreten. Tamás Mester hatte sich der Choreografie des Schwertkampfes angenommen und dort neue Maßstäbe gesetzt.

Für das imposante Bühnenbild war Herbert Buckmiller zuständig und seine Umsetzung von Walhalla und der Schmiede Alberichs war einfach atemberaubend. Die Bühne des Theaters Hof ist nun keine kleine, aber dennoch wirkte sie unter seinem Bühnenbild riesengroß und schien sich bis in das Unendliche erweitern zu lassen.

Das Stück feierte bereits im Jahre 2007 seine Premiere in Bonn. Aus dieser Zeit gibt es auch eine CD (wir berichteten). Doch nun, 8 Jahre später, wurde der Ring ein wenig modernisiert und, auf neudeutsch, gepimpt, so daß Frank Nimsgern vom „Ring reloaded“ spricht. Und dieser Ring reloaded feierte seine fulminante Premiere in Hof. So fulminant, dass es schon zwei Zusatzvorstellungen angesetzt wurden. Und ganz im Ernst: dieses Stück braucht noch viel mehr Zusatzvorstellungen.

Die letzten Termine:

28.12.2016, 19.30 Uhr
07.01.2017, 19.30 Uhr
11.01.2017, 19.30 Uhr
12.01.2017, 12.00 Uhr

Da kann man nur noch eines sagen: Nichts wie hin!

Quelle: Christine Daaé

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