Rezension „Restauration“ am 25.02.2017 im Theater Hof: Mal was zum Nachdenken

Leichte Kost ist dieses Stück wahrlich nicht. Es regt zum Nachdenken an und hinterläßt auch einen kleinen Nachgeschmack àla: Das ist heutzutage ja nicht anders. Also wer sich einen vergnüglichen Theaterabend wünscht, bei dem er einfach nur berieselt wird, der ist hier falsch. Wer aber mal wieder ein Stück sehen möchte, bei dem man nachdenklich und etwas kritischer den Saal verläßt, er ist bei „Restauration“ genau richtig.

Schon in den sozialen Netzwerken gibt es stark geteilte Meinungen über dieses Stück. Die einen lieben es, die anderen finden es langweilig. So war es auch bei der Vorstellung am 25.02.2017. Auf der einen Seite hörte man die Besucher sich darüber unterhalten und sich in angeregten Diskussionen darüber auslassen, dass es ja in der heutigen Zeit nicht anders ist; die Grossen fressen die Kleinen. Auf der anderen Seite sah man dann leider auch Besucher, die sich in der Pause ihre Garderobe wiedergeben lassen und der Blick sprach Bände. Auf die Frage ob, denn das Stück gefalle, bekam man ein recht mürrisches: „Nein!“

Die Geschichte des Stücks ist aktueller denn je: Ein verarmter Lord ehelicht die Tochter eines Industriellen. Er will ihr Geld, sie will seinen Titel. Diese Ehe ist weder glücklich noch erfüllt, noch hält sie lange. Der genervte Lord tötet seine Frau, allerdings in einem Unfall, noch vor dem Frühstück. Nun stelle man sich mal diesen Eklat vor! Noch VOR dem Frühstück! Nein das geht nun wirklich nicht. Doch kann auch ein Lord nicht für einen Mord ins Gefängnis gehen, also muss ein Sündenbock her. In seinem Fall ist es sein etwas einfältiger, aber grundehrlicher Butler Bob. Durch Manipulation gelingt es ihm, Bob dazu zu bringen, den Mord auf sich zu nehmen und auf die Begnadigung zu hoffen. Doch er hat nicht mit Bobs Frau Rose gerechnet. Diese ist zwar sehr weichherzig, doch läßt sie sich nicht vom Lord und seinen weichgespülten Worten einwickeln und berichtet jedem die wahre Geschichte und wer der wahre Mörder ist, unter anderem auch der Mutter des Lords und dem Vater der getöteten Ehefrau. Doch wie es auch in der heutigen Zeit ist, die Mächtigen halten zusammen und nutzen die Kleinen aus. Recht haben heisst nicht Recht bekommen und was bedeutet Wahrheit, wenn sie den Grossen nichts nützt?

Darsteller:
Lord Are: Oliver Hildebrandt
Frank: Dominique Bals
Mr. Hardache: Ralf Hocke
Ann: Susanna Mucha
Rose: Charlotte Irene Thompson
Bob: Jörn Bregenzer
Mutter, Mrs Hedges: Anja Stange
Pfarrer: Kristoffer Keudel
Gabriel: Peter Kampschulte
Mrs. Wilson: Julia Leinweber
Lady Are, Mutter von Lord Are: Thomas Hary
Bote: Tom Stange
Wärter: Florian Lühnsdorf

Oliver Hildebrandt als Lord Are war das Hassobjekt des Abends. Er gab den arroganten und selbstverliebten Lord so gut, dass man ihn hassen musste. Zu Beginn noch witzig, doch dann wurde sein wahres Gesicht immer deutlicher. Man muss ein sehr guter Schauspieler sein, um so eine Rolle so gut spielen zu können.

Dominique Bals als Frank war der Rüpel des Stückes, den man bis zu einem gewissen Grad auch unterstützte. Und für den man dann auch wieder Mitleid empfand, als man ihn gefasst hatte. Er ist unserer Redaktion kein Unbekannter und seine schauspielerischen Leistungen überzeugen uns immer wieder.

Ralf Hocke als Mr Hardache: Also wer bei ihm nicht an einen Musketier denken musste, dem kann man nicht helfen. Dieser Mann hat eine wirklich tolle Art zu spielen und eine sehr einnehmende Stimme. Er war fast bis zum Ende des Abends der Sympathieträger und wir hoffen, ihn noch in weiteren Rollen sehen zu dürfen.

Susanna Mucha als Ann war eine wirklich „bezaubernde“ Industriellentochter und Ladyschaft. Ihre Stimme erklang weit und schrill über die Bühne hinaus. So etwas erfordert ein wirklich grosses schauspielerisches Talent, den ganzen Abend so zu „krähen“ und dabei nicht die Stimme zu verlieren.

Ein neues Gesicht war Charlotte Irene Thompson als Rose. Dieses Energiebündel zog jeden in seinen Bann und konnte wirklich jeden mitreissen. Sie lebte ihre Emotionen und ihre Rolle perfekt aus.

Jörn Bregenzer als Bob haben wir auch schon mehrmals in Hof gesehen und er hat uns immer wieder überzeugt, so auch in diesem Stück. Sein etwas einfältiger Bob war einfach zu liebens- und beschützenswert.

Anja Stange ist unserer Redaktion auch keine Unbekannte. Wir sahen sie bisher in verschiedenen Rollen und sie konnte uns in allen überzeugen, so auch hier. Sie gab Bobs Mutter.

Natürlich durfte in dieser Groteske auch ein Pfarrer nicht fehlen. Den Gottesmann gab Kristoffer Keudel, den wir bisher noch keinem anderen Stück sahen, doch der sehr vielversprechend war. Sein Pfarrer war wirklich sehenswert.

Bobs Vater Gabriel wurde von Peter Kampschulte gespielt. Sein Auftritt mit den Schweinen war eine Bereicherung für das Auge. Auch er lebte seine Rolle förmlich aus.

Wenn es jemanden gibt, von dem man am Theater Hof momentan nicht genug bekommen kann, dann ist es Julia Leinweber. Ihre Mrs. Wilson war einfach genial. Diese Frau ist ein wahres Talent.

Thomas Hary hatte nur einen sehr kleinen Auftritt als Lady Are, die Mutter von Lord Are. Und das auch im Schatten. Und dennoch konnte man sehr deutlich erkennen, welchen Spass ihm seine Rolle machte.

Der Überbringer der Begnadigung, der Bote also war Tom Stange. Er stand seinen Schauspielkollegen in nichts nach und gab seiner Rollen Leben. Ebenso Florian Lühnsdorf als Wärter. Die beiden zeigten deutlich, dass auch die kleinste Rolle wichtig ist und mit Leben erfüllt sein sollte.

Das besonders Faszinierende an dem Stück war, dass die Rollen ins Publikum sprachen und sie so in ihre mehr oder minder perfiden Pläne einweihten. So konnte man dem Stück sehr gut folgen. Ebenso faszinierend waren die Gesangseinlagen. So etwas hatten wir bisher in keinem anderen Theaterstück in dieser Art. Jeder der Darsteller hatte so die Möglichkeit, nicht nur mit seiner schauspielerischen Leistung zu überzeugen, sondern auch gesanglich.

Es erfordert Mut, ein Stück wie „Restauration“ aufzuführen, da es die Zuschauer spaltet. Man muss dem Theater Hof wirklich ein Kompliment für diesem Mut aussprechen, mal etwas anderes zu probieren als nur Mainstream.

Weitere Termine:
12.03.2017, 19.30 Uhr
21.04.2017, 19.30 Uhr
22.04.2017, 19.30 Uhr
09.05.2017, 12.00 Uhr
17.05.2017, 19.30 Uhr

Wer nachdenken möchte über ein Stück, dem sei „Restauration“ wirklich ans Herz gelegt.

Es ist alles eine Frage des Geschmackes und so auch bei diesem Stück. Dennoch möchten wir diese Rezension dazu nutzen, unser Unverständnis dafür ausdrücken, einfach in der Pause zu gehen. Auch wenn einem das Stück nicht gefällt oder man es nicht verstehe, stehen dort oben auf der Bühne dennoch Menschen, die ihr Bestes geben, um zu unterhalten. Und diesen Menschen kann man doch wenigsten den Respekt erweisen, sich ihre Arbeit bis zu Ende anzusehen.

Quelle: Christine

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