Rezension „Addams Family“ am 15.03.2017 in München: Schaurig gut

Sie sind eine der bekanntesten und auch beliebtesten Familien der TV-Geschichte: Die Addams. Basierend auf Charles Addams berühmten Cartoons wurde die Familie sehr schnell berühmt: erst in Cartoonform, dann als TV-Serie, dann kamen die Filme und nun (seit 2009) das Musical. Die herrlich skurrile und morbide Familie mag auf den ersten Blick befremdlich erscheinen, doch soll man immer eines bedenken: Beurteile ein Buch nie nach dem Einband. Schon bei der TV-Serie konnte man immer wieder lernen, dass die Addams so herrlich normal waren und auch ihre normalen Probleme hatten.

So ist es auch in dem Musical: Am Ende erkennt man, dass die Addams so normal sind, wie die Spießerfamilie Beineke und auch umgedreht. In jedem Addams steckt ein Normalo (ein Beineke) und in jedem Normalo (Beineke) steckt auch ein Addams. Unterschätze niemals die Spießer und bewerte keinen Addams nur nach dem Äußeren!

Inhalt des Musicals:
Die Addams residieren in einer verfallenen Villa mitten im Central Park. Dass es in ihrer Villa spukt, ist logisch. Mutter Morticia regiert ihre Familie mit eiserner Hand, unterstützt von ihrem Gatten, dem heißblütigen Gomez. Soweit so spukig, doch erlebt Gomez den Alptraum aller Väter: seine Tochter hat sich verliebt. Die selbsternannte Prinzessin der Finsternis hat sich in einen Normalo verliebt! Wednesday beschwört ihre Vater, der Mutter nichts davon zu sagen, doch ist Gomez seiner Morticia bis zum Tode (und darüber hinaus) ergeben und so kann er vor seiner geliebten Frau kein Geheimnis haben. Es kommt wie es kommen muss, die Familie möchte die Schwiegertochter kennenlernen… und so nimmt das gruselige Chaos seinen Lauf.

Für einen Fan der Addams Family ist es ein wahres Erlebnis, seine Helden einmal in live vor sich zu sehen. Wie sagte eine Dame im Publikum so schön: Es sind die Helden meiner Kindheit. Und so ging es vielen. Kaum erklangen die ersten Töne des Intros sassen alle da und schnipsen und klatschen mit. Man fühlte sich in die Zeit vor dem Fernseher zurückversetzt.

Für die Geschichte des Musicals musste ein Charakter ein klein wenig verändert werden, nämlich Wednesday Addams. Sie ist im Musical 18 Jahre alt. Aber daran störte sich nun wirklich niemand. Alle bekannten und beliebten Charaktere waren vertreten, auch Vetter It und das eiskalte Händchen. Das Händchen spielte immer am Vorhang und Vetter It belehrte die Zuschauer, doch keine Fotos zu machen und die Handys auszuschalten. Schade jedoch, dass seine Warnung nicht gehört wurde, weder die eine, noch die andere.

Das deutsche Theater in München wartet mit einer hochgradigen Besetzung auf:
Uwe Kröger: Gomez Addams
Edda Petri: Morticia Addams
Oliver Mülich: Onkel Fester
April Hailer: Alice Beineke
Petra Lamy: Grandma
Noah Walczuch: Pugsley Addams
Gerhard Karzel: Lurch
Marianne Curn: Wednesday Addams
Andreas Zaron: Mal Beineke
Benedikt Ivo: Lucas Beineke
Timo Radünz: Dance Captain
Ensemble: Monika-Julia Freeman, Henriette Schreiner, Janina Moser, Maja Sikora, Philipp Andreas Sievers, Marc Schlapp, Alexander Leder, Matthias Knaab

Uwe Kröger:
Ein Musical-Urgestein! Solch ein wandelbarer Darsteller! Er nimmt jede seiner Rollen ernst und erfüllt sie mit Leben und Energie. So auch als Gomez Addams. Ihm nahm man den heißblütigen Liebhaber und treusorgenden Ehemann sofort ab. Und als Morticia ihn abwies, brach nicht nur sein Herz, sondern auch das der Zuschauer.

Edda Petry:
Cool, cooler, Edda! Elegant, eleganter, Edda! Was für eine Rassefrau! Sie verlieh ihrer Morticia soviel Leben (ja, Leben) und Liebe, aber auch Stärke und Klasse, dass man von ihr gar nicht genug bekommen konnte. Ihr waren alle Männer und Frauen im Publikum verfallen. Dieser Lady kann man keinen Wunsch abschlagen, sonst schlägt sie was anderes ab.

Oliver Mülich:
Onkel Fester ist die wohl liebenswerteste Rolle in dem ganzen Stück, ihn kann man nur liebhaben. Und er hat seinen Zaubertrick gezeigt: eine leuchtende Glühbirne im Mund. Oliver Mülich ging richtig in seiner Rolle auf und erweckte den guten Onkel Fester zu bravurösem Musical-Leben. Er zeigte jedem sein Herz, und rührte die Zuschauer zu Tränen (vor Lachen), als er seiner Liebsten (dem Mond) seine Liebe schwor.

April Hailer:
So wunderbar und herrlich spießig! Und gleichzeitig spürt man genau, dass unter dieser ganzen Spiessigkeit noch so viel mehr schlummert. Und dennoch konnte sie es so gut verstecken. Ihre Alice Beineke ist so wunderbar lebensecht und -nah, dass man sich in ihr wiedererkennen kann. Und wer hätte gedacht, dass diese Frau solch eine Stimme hat?

Petra Lamy:
Keiner weiss, wessen Mutter sie eigentlich ist, doch alle nennen sie Grandma. Sie ist liebenswert und verrückt zugleich. Bringt sie doch Pugsley auf wilde Ideen, um sie ihm dann aber gleich wieder auszureden. Ihr Spiel war so voller Leben und Enthusiasmus, es war einfach wundervoll, ihr zuzusehen.
Petra Lamy wird diese Rolle nur eine Woche lang spielen, dann übernimmt Tanja Schumann.

Noah Walczuch:
Was dieser junge Mann in seinem Leben bisher geschafft hat, davon träumen so manche ihr Leben lang. Wednesdays kleiner Bruder, der sehr an seiner Schwester hängt, im doppelten Sinne, kann manchmal die große Schwester ganz schön nerven, doch merkt man sehr schnell, wie sehr er seine Schwester doch liebt. Man leidet richtig mit dem kleinen Kerl mit, als er erfährt, dass seine Schwester heiraten will.

Gerhard Karzel:
Der wortkarge und sehr hochgewachsene Butler der Addams. Man braucht schon ein besonderes Talent, um seine Rolle so eindrucks- und würdevoll darzustellen. Und wer hätte gedacht, dass der sonst so wortarme und langsame Lurch so wundervoll singen kann?

Marianne Curn:
Wednesday Addams ist die eigentliche Hauptperson in diesem Musical, geht es doch um sie und ihr Gefühlsleben. Aus dem kleinen Mädchen aus der Serie ist ein 18jähriger Teenie geworden, der seinen Schwarm heiraten möchte. Marianne Curn kann trotz ihrer jungen Jahre auf eine beeindruckende Musical-Karriere zurückblicken und das zu Recht. Ihre Wednesday war neu, und zugleich auch vertraut.

Andreas Zaron:
Mister Spießer in Person. Doch wer ahnt denn, was unter der Oberfläche schlummert? Da ist noch immer der Hippie im Grateful-Dead-Shirt und dem Stirnband, ganz tief unten verborgen. Und die Addams schaffen es, ihn wieder ans Tageslicht zu befördern. Es ist faszinierend, seiner Rolle bei der Entwicklung zuzusehen.

Benedikt Ivo:
Für die Addams wohl der Grund allen Übels: Lucas Beineke. Der Junge, den Wednesday heiraten möchte. Er ist so herrlich normal und muss über seine Spontanheit erst einmal nachdenken. So normal zu spielen, ist sehr schwer und erfordert grosses Talent.

Auch jedes Ensemblemitglied erfüllte seine Rolle mit Leben und Liebe. Sie harmonierten und ergänzten sich wunderbar auf der Bühne und ergaben zusammen ein wundervoll schreckliches großes Ganzes. Auch das Orchester unter der Leitung von Scott Lawton war einsame Spitze. Ihr Spiel gab dem Stück die bekannten uns ersehnten Melodien, an die sich jeder noch erinnerte. Zu Recht bekamen sie und die Darsteller am Ende die verdienten Standing Ovations, und das minutenlang.

Ihr Zuhause verdanken die Addams dem Bühnenbild von Christian Floeren. Sehr wandelbar und schnell einsetzbar verwandelte es sich von der Außen- zur Innenansicht und umgekehrt. Der Hintergrund an sich wurde mit Computeranimationen ergänzt. Gekleidet wurden die Addams von Ulli Kremer. Sie schaffte es, die Bekleidung der Addams musicaltauglich zu machen, ohne dass sie sie zu sehr veränderte. Respekt.

Das Stück gastiert noch bis zum 26.03.2017 im Deutschen Theater München und ist definitiv eine Reise dahin wert.

Quelle: Christine

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  • Auch Gregor ist dem morbiden Charme der Addams erlegen.
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