“My Fair Lady” auf Burg Brattenstein: “Es grünt so grün” in Franken

“My Fair Lady” ist eines der Stücke, die sehr von den Figuren und deren Darstellern leben. Genauso wie “Jekyll & Hyde” mit dem Darsteller der Titelfigur steht oder fällt, ist es mit Eliza. Wird die Verwandlung, der Weg von “Rinnsteinblümchen zu getrimmter Zierpflanze”, nicht glaubhaft oder auch zu übertrieben dargestellt, ist der Rest des Stückes vergebene Liebesmüh.

Die Frankenfestspiele in Röttingen haben es mit ihrer diesjährigen Musicalinszenierung “My Fair Lady” geschafft, der Produktion genau das mitzugeben, was sie zum Erfolg brauchte und muß sich so hinter keiner anderen Inszenierung verstecken.

Der Inhalt ist kurz und knapp erzählt: Das Blumenmädchen Eliza Doolittle wird zum Objekt einer Wette zwischen dem Sprachforscher Prof. Higgins und Oberst Pickering. Prof. Higgins ist der festen Überzeugung, daß er es binnen 6 Monaten zustande bringt, Eliza durch Sprach- und Benimmunterricht als Mitglied der Oberschicht ausgeben zu können. Der Oberst wettet dagegen. Und das ist der Beginn von Veränderungen, nicht nur in Eliza’s Leben.

Die Deutsche Erstaufführung war 1961 in Berlin. Dort auch mit dem Berliner Dialekt, der wohl immer noch am ehesten mit “My Fair Lady” in Verbindung gebracht wird. In vielen Aufführungen wird aber auch Lokalkolorit verwendet und der regionale Dialekt ersetzt die Berliner Schnauze. Das wohl bekannteste Lied ist “Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen”. Seit der deutschen Erstaufführung feiert das Stück in ganz Deutschland in unterschiedlichen Inszenierungen zahlreiche Erfolge.

Die Inszenierung in Röttingen folgt der Vorlage und verwendet die Berliner Schnauze, die der Hauptdarstellerin Antja Rietz so herrlich frech und manchmal auch gewollt nervtötend von den Lippen kam. Kaum einer kam da umhin, mit dem Sprachforscher Higgins, hervoragend gespielt von Pavel Fieber, mitzuleiden, denn irgendwie hat er doch recht, wenn er von Muttersprachenmord spricht.

Ergänzt wurde das Duo von Oberst Pickering, würdevoll und charmant dargestellt von Rolf Germeroth, und Mrs. Pearce. Die Haushälterin des Professors, die sich über so manche gefühlskalte Entgleisung ihres Arbeitgeber nur wundern, konnte wurde dafür umso gefühlvoller und fürsorglicher von Katrin Wunderlich gespielt.

Poltrig und von ganz eigener Moralität gab sich A. P. Doolittle, liebenswert in Szene gesetzt von Martin Muliar, der sich von Elizas Schicksal Profit erhoffte und sogar bekam. Auch Freddy, verliebt in Eliza und wunderbar gespielt von Péter Polgár, bekam am Ende was er sich erhoffte.

Und nicht zu vergessen: Mrs. Higgins, Professor Higgins Mutter, die mit ihrem Sohn nicht wirklich etwas zu tun haben wollte. Umso erfreuter war sie dann verständlicherweise als es das Blumenmädchen geschafft hatte, dem Sprachforscher  deutlich zu machen, daß er nicht nach Belieben mit seinen Mitmenschen umgehen kann. Authentisch und würdevoll wurde die Rolle durch die Schauspielkunst von Kathrin Becker.

Wundervoll ergänzt wurde die Darbietung vom Ensemble und natürlich von Band und Technik. Das Bühnenbild fügte sich, wie von den Frankenfestspielen gewohnt, in das Ambiente der Burg ein und vervollständigte die Inszenierung. Einzig ein kleiner Kritikpunkt sei zu den Szenen gesagt, die auf der Straße spielen sollten: hier wurde ein roter Vorhang als Hintergrund benutzt, der leider den Gesamteindruck etwas trübte und ein kleiner Bruch zum übrigen Bühnenbild war – die Gesamtqualität der Inszenierung wurde dadurch aber natürlich nicht weniger!

Ein Lob geht an alle Darsteller, das Ensemble, die Band und die Mitwirkenden hinter der Bühne oder auch im Gastrobereich. Denn erst durch die Arbeit aller konnte der Abend ein gelungener Abend werden.

Auch mit dieser Musicalinszenierung bewiesen die Frankenfestspiele wieder einmal Qualität, die sich mit den großen Häusern vergleichen lässt und so manche sogar übertrifft. Ein Besuch dort lohnt sich und in dem breiten Angebot an Produktionen findet sich für jeden Geschmack etwas.

“My Fair Lady” wird Ende Juli noch einige Mal gespielt, die Termine sind weiter unten zu finden. Weitere Informationen findet man auch unter www.frankenfestspiele.de.

Besetzung
Prof. Higgins: Pavel Fieber
Mrs. Higgins: Kathrin Becker
Eliza Doolittle: Antje Rietz
A.P. Doolittle: Martin Muliar
Mrs. Pearce: Katrin Wunderlich
Oberst Pickering: Rolf Germeroth
Freddy Eynsford: Péter Polgár
Harry und Jamie: Luis Schmidbauer, Frank Fiebig

Extra-Ensemble:
Sonja Baier, Antje Eckhoff, Frank Fiebig, Susanne Grimm, Anna Neser, Gisela Pollich, Linda Ruess, Franka Scheurich, Luis Schmidbauer, Brigitte Schmitt, Petra Wolf, Teresa Ziegler, Ulrike Ziegler, Gerd Zimmermann, Sophie Zobel

Creative Team:
Inszenierung: Knut Weber
Musikalische Leitung: Walter Lochmann
Choreografie: Sebastian Eilers
Bühne: Charlotte Labenz / Simone Manthey
Kostüm: Charlotte Labenz
Lichtdesign: Chris Pöschko
Ton:  Anna Harandt
Technische Leitung: Udo Beil
Regieassistenz: Verena Wais
Korrepetitor: Martin Wutz
Garderobiere: Ina Rehda

Weitere Termine
30.06.2017, 20:30 Uhr
01.07.2017, 20:30 Uhr
02.07.2017, 19:30 Uhr
20.07.2017, 20:30 Uhr
21.07.2017, 20:30 Uhr
22.07.2017, 20:30 Uhr
23.07.2017, 19:30 Uhr
29.07.2017, 20:30 Uhr
10.08.2017, 20:30 Uhr

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Quelle: Redaktion Buehnennetzwerk.de

  • "My Fair Lady", Frankenfestspiele Röttingen
    © Frankenfestspiele Röttingen

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  • Schlußapplaus
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