„amusix“ und „Das wird super“ überzeugten beim Voice Mania Festival 2017 im Theater am Spittelberg

In Wien läuft das Internationale Konzert Festival der Vokal-Akrobatik vom 3.11. bis 3.12. und das bereits in der 20. Saison. Manche habe es gerne mit, manche gerne ohne – die Rede ist von Instrumenten. Dass manche Solokünstler und Gruppen ganz ohne auskommen können beweist das Festival eindrucksvoll mit Künstlern aus aller Welt.

Wir konnten uns einen Eindruck verschaffen und besuchten zwei österreichische Bands im Theater am Spittelberg im 7. Wiener Gemeindebezirk am 17.11.2017. Der Raum wurde schnell voller und voller und schlussendlich wurde sogar Miniklapphocker vor der Bühne zu Sitzgelegenheiten. Je voller der Raum wurde, umso besser wurde auch die Stimmung, die den ganzen Abend über anhielt, sehr zur Freude der Künstler, da beiden Acts eine Welle der Sympathie entgegenschlug, die natürlich auch für die Auftretenden wichtig war.

Als erstes trat die 7-köpfige Wiener Vokalformation „amusix“ auf. Seit fast neun Jahren existiert sie bereits, auch wenn nicht alle Mitglieder gleich lang dabei sind. Die Gruppe besteht aus vier Männern und drei Frauen: Karin Österreicher, Julia Felling-Wagner (sie trat mit sichtbarer Unterstützung auf, die allerdings noch unter ihrem Herzen verborgen war. Von unserer Seite alles Gute schon vorab), Doris Resch-Kofranek, Klaus Gartner, Ade Ogunlola, Chris Felling und Christian Bauer. Alle haben schon vor ihrem gemeinsamen Musizieren in verschiedenen Chören oder Ensembles gesungen und hatten schon eine Vielzahl an Auftritten. Die Anzahl variiert aber, da alle auch noch einen Beruf ausüben oder eine Ausbildung machen. Dadurch, dass alle Fans von a capella Musik sind, war es fast schon so etwas wie Schicksal, dass sie in der aktuellen Konstellation zusammenfinden mussten. Festgelegt sind sie nicht auf ein bestimmtes Genre und singen von Pop, Rock, Jazz bis Alternativ alles, Hauptsache es gefällt ihnen. Und dass es dem Publikum auch gefiel bewiesen die Reaktionen. Die Arrangements werden von den sieben selbst gemacht und auch Eigenkompositionen über Dinge, wo man sich nur wundern konnte, dass man diese zu Songs verarbeiten kann, waren vertreten. Das Motto ihrer Songs war „selbstgescannt“ und so hatten sie auch fast zu jedem eine Geschichte parat oder erzählten diese in ihren eigenen Liedern.

Nach „Mad World“ von Tears for Fears folgte mit „Vitamin C“ (von Chris und Klaus) eine sehr schräge Nummer mit einer humorigen Nummer á la YMCA. Was alles passiert, wenn der Doktor Christian ein bestimmtes Vitamin verschreibt und dessen Nebenwirkungen eintreten, wurde hier ausführlich geschildert. „Let go“ (von Frou Frou) gesungen von Karin hatte schon fast etwas Beschwörendes und Magisches an sich, auch aufgrund der Kreischoreo. Vor allem Karins Stimme gab dem Ganzen eine besondere Note. Klaus besang ein „weltbewegendes“ Thema, nämlich das programmtitelgebende „selbst scannen“. Dass man auch über so etwas singen kann war neu und auch mit einer kleinen Warteschlangenchoreo gut untermalt. Fazit: „nur selbst gescanntes ist gut!“ Ein finnisches Liebeslied „Lunta“ (zu deutsch Schnee) wurde von Chris dargeboten. Er bekam sogar extra passendes rotes Licht. Julias Titel „Rather be“ ist aus dem Radio bestens bekannt und sie sang es mit einer guten Dosis aus ruhigen und flotten Momenten. Was einem Wanderer passieren kann, wenn er den richtigen Moment erwischt, erfuhr man bei einer Eigenkomposition von Chris. Ade hatte die Leadstimme übernommen, während die anderen eine kleine Geschichte rund um schicksalshafte Begegnungen nachstellten. Doris und Julia teilten sich „Sway“, wo sie sich für die Fassung der Pussycat Dolls entschieden hatten. Karins Stimme hat einen sehr starken Wiedererkennungswert und so sang sie auch das letzte Lied „Waiting for you“ von Seal, während Christian einmal mehr die nicht vorhandenen Instrumente mit vollem Körpereinsatz lebte. Zugaberufe holten die Gruppe nochmals auf die Bühne und es wurde etwas sehr Lebenswichtiges mit Augenzwinkern besungen, nämlich Flip Flops. Diese speziellen waren mit Kunstrasenfussbett und dienten der Entspannung. Das Besondere an der Gruppe ist ihre Bodenständigkeit, ihr ungekünsteltes Auftreten und vor allem eine sehr natürliche Art – weiter so.

Nach der Pause ging es dann bunt, schräg und fetzig weiter. Die Gruppe „Das wird super“ (nein, hier handelt es sich um keinen Scherz, die heißt wirklich so) hatte ihr allererstes Mal (einen Wettbewerb und ein kleines tryout vor Freunden ausgenommen) vor Publikum. Die vier, Stefan Bleiberschnig, Matthias Liener, Lukas Karzel und Phillip Schröter, kennen einander zum Teil schon aus ihrer gemeinsamen Zeit bei den Wiener Sängerknaben, zum Teil aber auch aus anderen Projekten. Musikalisch sind alle Profis und auch socialmediamässig hatten sie sich perfekt mit Kameras an jeder Ecke vorbereitet. Auch diese vier hatten keine Instrumente zur Hilfe, nützten aber ein paar Effekte wie z.B. eine Loop Maschine. Man musste manchmal wirklich zwei Mal schauen, um sich zu vergewissern, dass sie nur zu viert waren. Auch die Entstehung des Namens hat eine eigene Geschichte. Unabhängig voneinander trugen ein paar die erste Probe mit „das wird super“ ein und da ihnen nichts Besseres einfiel, blieben sie einfach dabei. Und wie das Publikum feststellen musste, haben sie nicht über- sondern eher untertrieben. Aber der Reihe nach.

Waren die vier jungen Herren schon ein Blickfang in ihren Anzügen in blau, grün, gelb und rosa, so hatten sie auch stimmlich und showtechnisch einiges auf dem Kasten. „Sexy Back“ (Justin Timberlake) begann fast schon kirchlich angehaucht, bis sie so richtig loslegten. Die Hüften wollten nicht mehr still stehen und Justin konnte einpacken. Sogar eine kleine Publikumsaufwärmübung wurde mit Freude aufgenommen. Volle Action lieferten sie auch bei „Move like Jagger“, bei dem Karzel und Bleiberschnig die Leadstimme übernommen hatten. Sie hatten wieder ihre ganz eigenen moves, die teilweise ihresgleichen suchten. Liener lud dann alle in seinen „Bungalow“ (Bilderbuch) ein. Irgendwie hatte man bei seinem rosa Anzug sofort das Bild eines hyperaktiven Flamingos im Kopf, der den groove für sich gepachtet hatte. Dass sie auch ohne großes Tamtam auskommen können, zeigten sie bei „Purple rain“. Lukas gab ein eindrucksvolles Solo und als er seine hohe Stimme auspackte hätte man meinen können, sie haben noch eine fünfte Person auf die Bühne geschummelt, so anders hörte er sich plötzlich an. Schröter, von den Jungs liebevoll als das „super“ von der Gruppe bezeichnet gab dann einen Einblick in die Arbeit mit einer Loopstation und dirigierte das Publikum bei ihrer ersten Lektion im beatboxing. Nach einem Medley aus deutschsprachigen Partyhits wurde das Publikum gebeten seine Handys zu zücken und den folgenden Song mitzufilmen, da sie dann vorhatten ein Video daraus zu schneiden. Was dann kam war für alle überraschend, da es fast schon wie ein Weihnachtslied klang und man eine Zeit lang brauchte, um herauszuhören, welches Lied es eigentlich war. Es handelte sich um „Wannabe“ von den Spice Girls. Dann plötzlich wurde es aber wieder fast wie das Original und auch noch der letzte Unwissende erkannte es. Sie wurden im wahrsten Sinn des Wortes springlebendig und es machte so richtig Spaß ihnen zuzusehen und zuzuhören. Ein kleines Technikproblem konnte ihnen nichts anhaben und sie bewiesen auch Improvisationstalent. Auch vor Michael Jacksons Thriller machten sie nicht Halt und auch wenn jetzt kein Gruselfaktor aufkommen wollte, ein kleiner Moonwalk war doch drinnen. Der letzte Titel war „I believe in a thing called love“ (The Darkness) bei dem Stefan fast im selben Atemzug hoch und tief sang und seinen unglaublichen Stimmumfang eindrucksvoll bewies. Die Bühne brannte, das Publikum rastete aus und hätte das Quartett gerne noch länger gesehen. Natürlich gab es auch von ihnen noch eine Zugabe, bei der sie sich wieder pur bewiesen. So sangen sie „I will always love you“. Jeder hatte seinen Part und die Töne wurden höher und höher, dass es eine wahre Freude war.

Zwei sehr unterschiedliche Formationen unterhielten an diesem Abend gekonnt das Publikum, das nichts gegen eine Verlängerung bei beiden Gruppen gehabt hätte. Man darf gespannt sein, was es von „amusix“ und „Das wird super“ noch zu sehen und zu hören geben wird. Eintagsfliegen hören sich jedenfalls anders an.

Infos zu den Gruppen unter:

www.amusix.at/
https://www.facebook.com/daswirdsuper/?fref=ts

Quelle: Andrea Martin


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1 Comment

  1. Christian B

    Allervielsten Dank, Andrea! Toll geschrieben!

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