Wer ist … Florian Resetarits?

Seit 30.9.2017 läuft vor vollem Haus das Kultmusical „Tanz der Vampire“ am Wiener Ronacher. Alle interviewen nur die Krolocks, Alfreds und Sarahs. Was aber ist z.B. mit Koukol? Das haben wir uns auch gefragt und haben den amtierenden Diener des Grafen, Florian Resetarits etwas unter die Lupe genommen.

Florian Resetarits stammt aus dem Südburgenland, genauer gesagt aus der 4000-Einwohner-Stadt Güssing. In seiner Familie ist das Wort Kunst kein Fremdwort und er hatte das Glück schon von Kindesbeinen an von seinen Eltern dahingehend gefördert zu werden. 2009 hat er seine Ausbildung an der MUK Privatuniversität der Stadt Wien abgeschlossen, im Jänner 2017 schloss er ebendort ein weiteres Studium in Arts Education ab.

Mit der Rolle des Dieners Koukol gibt er sein Debüt bei den Vereinigten Bühnen Wien. Eine außergewöhnliche Rolle, die nicht singt, sondern nur unartikulierte Laute von sich gibt.

Für Resetarits ist dieser Charakter eine sehr anstrengende, aber auch spannende Rolle. Vor der Premiere hat er zu Regisseur Cornelius Baltus gemeint: „diese Rolle zu finden, war eine Wiedergeburt für mich.“ Er hebt vor allem die tolle Arbeit mit Baltus hervor, der ihn sehr gut auf diese Rolle vorbereitet hat. Fast jeden Morgen gab es Einzelstunden, in denen an der „Koukol-Sprache“ und der Körperhaltung gefeilt wurde und in denen Resetarits immer mehr eins mit dem buckligen Diener wurde. Für den 1,90 großen „Riesen“ ist die Körperhaltung die größte Herausforderung. „Ich bin sehr groß, deshalb finde ich es interessant, auch mal kleiner zu sein als alle anderen! Es ist eine ganz neue Perspektive! Das ist das Interessante am Theater. Man erlebt Dinge, die man privat nicht erlebt und erweitert so seinen Horizont.“ Die gebückte Haltung geht sehr auf die Oberschenkel und den Rücken verrät der Darsteller. Die Maske und das warme Kostüm bringen ihn zusätzlich noch ordentlich zum Schwitzen, da ist eine gute Kondition erforderlich, um sieben Shows pro Woche durchhalten zu können. 20-30 Minuten work-out vor der Vorstellung stehen für Resetarits am Programm und auch Bikram Yoga steht auf seinem Wochenplan, damit die richtigen Stellen gedehnt werden. Dass Koukol nicht spricht, macht ihn in „Tanz der Vampire“ einzigartig. Was wäre, wenn er doch sprechen würde? Resetarits ist der Meinung, dass diese Rolle dann jeglichen Zauber verlieren würde. Natürlich hat er sich auch Gedanken gemacht, was Koukol sagen würde, wenn er undefinierbare Laute von sich gibt. Da sich das Publikum aber eine eigene Geschichte um diese Figur denken soll, behält er diese Gedanken lieber für sich.

Resetarits sitzt vor jeder Vorstellung 45-60 Minuten in der Maske und allein diese Tatsache beantwortet auch die Frage, die sich vielleicht viele stellen werden, ob Florian nicht auch „nebenbei“ einmal einen Vampir verkörpert. Die Maske ist viel zu aufwendig, um sie zu entfernen und wieder anzulegen.

Resetarits hat in seiner Heimat Güssing schon sehr viel Bühnenerfahrung bei den sogenannten „Musical Güssing“ Festspielen sammeln können So trat er bereits u.a. als Chè in „Evita“, Jekyll & Hyde im gleichnamigen Stück oder Fred in „Kiss me Kate“ auf. Dass er soviel Bühnenerfahrung sammeln durfte, noch dazu in seinem Heimatort, wo er ja aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, macht ihn sehr dankbar. Florian verrät, dass er gerne zuhause ist.

„Meine langjährigen und engsten Freunde stammen aus Güssing und meine Eltern, Großeltern väterlicherseits und auch meine ältere Schwester leben noch immer in Güssing.“ Er zieht sich dort immer wieder gerne zurück, um abzuschalten und Kraft zu tanken.

Die Freude war natürlich sehr groß, als die Zusage für die Rolle in „Tanz der Vampire“ kam, noch dazu anlässlich des 20-jährigen Jubiläums. Resetarits gerät ins Schwärmen und findet, dass das Leading Team eine tolle Besetzung zusammengestellt hat. „Ich bin sehr dankbar, dass ich am Ronacher mit so talentierten KollegInnen arbeiten darf und den Traum von so vielen lebe. Es ist nicht selbstverständlich! Ich gehe jeden Tag sehr gerne zur Arbeit und sehe es als Geschenk an!“ Der sympathische Darsteller hat sogar vor 20 Jahren die Urfassung am Raimund Theater gesehen und kann es noch immer nicht glauben, dass er auf einmal selbst mitwirken darf. Deshalb ist es wichtig für ihn jeden Moment in dieser Produktion zu genießen. Seine Lieblingsszene ist eindeutig die, wenn er dem Professor und Alfred das Essen bringt. „Ich habe keinen einzigen Satz in der Szene, trotzdem erzählt die Szene so viel von Koukol durch seine Gestik und Mimik. Ich finde prinzipiell, dass die stummen Momente von Figuren auf der Bühne die wichtigsten sind. Dort erfährt der Zuseher, was in den Figuren wirklich vorgeht.

Wir haben Florian Resetarits gefragt, ob er an das Übernatürliche wie Vampire, Werwölfe & Co glaubt und was passieren müsste, dass er an etwas glaubt, woran er vorher vielleicht gezweifelt hat. Die Antwort war ganz eindeutig „ich glaube nur das, was ich sehe“. Also liebe Vampire und Werwölfe, wenn ihr wollt, dass Florian an euch glaubt, dann müsst ihr euch ihm einfach nur zeigen.

Vampirfilme sind ja seit den „Twilight“ Filmen oder der erfolgreichen „Vampire Diaries“ Serie in aller Munde. Resetarits hat es aber geschafft „vampirimmun“ zu bleiben. Sein einziger Zugang zu Vampiren ist nachwievor das Musical, das er schon als Kind in Wien gesehen hat. Warum das so ist, ganz einfach „alles andere hat mich nicht wirklich interessiert, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich privat nie ewig leben wollte.“

Auch wenn der Darsteller mit seiner Rolle mehr als zufrieden scheint, haben wir ihn doch gefragt, ob er auch gerne einmal einen anderen Charakter des Stücks spielen möchte. Der Graf von Krolock würde ihn auch noch reizen, kam es ohne längeres Nachdenken. Warum? „Ich möchte wissen, wie es sich anfühlt, wenn man nicht der Diener, sondern der Chef ist ;)“
In vielen Interviews bekommt man zu lesen, dass die Musicaldarsteller etwas mit ihren Rollen gemeinsam haben. Ist es möglich, dass Florian Resetarits auch etwas mit Koukol gemeinsam hat? Nein, er versucht strikt das Private vom Beruflichen zu trennen und in die Rollen, die er verkörpert nur in den Proben und auf der Bühne zu schlüpfen. „Ich finde das sehr wichtig, denn wenn man so komplexe Persönlichkeiten wie Koukol ins private Leben mitnimmt, kann einen das zerfressen, daher genieße ich es während den Proben und Vorstellungen, etwas zu verkörpern, das ich nicht gemeinsam mit der Rolle habe.“

Schon heute weiß Florian Resetarits was er nächstes Jahr zu Ostern („Das Konzert“ Ein Lustspiel von Hermann Bahr in Bad Ischl) und sogar im Sommer 2018 („Bonnie & Clyde“ im niederösterreichischen Baden) machen wird. In der Branche ist es nicht üblich, dass man solange im Vorfeld planen kann, aber er ist sehr dankbar dafür und weiß dieses Besondere sehr zu schätzen.

Natürlich haben wir ihn auch noch gefragt, wie er sich mit 3 Emojis beschreiben würde, die Antwort fiel sehr eindeutig aus:

, und nochmals

Vielen Dank an Florian Resetarits, dem amtierenden Koukol in Wien für das Gespräch und weiterhin ganz viele erfüllende Momente sowohl im beruflichen, wie auch privaten Leben.

Wer mehr über ihn erfahren möchte: http://www.florianresetarits.com

Quelle: Andrea Martin

3 Comments

  1. Eva Maria

    Hi. Ich gratuliere Florian sehr Teil der Tanz der Vampire Produktion 2017 zu sein. Das ist der Lohn für die vielen Rolle, die er von Kindesbeinen an sehr berührend dargestellt hat. Darunter beeindruckende Charaktere. Viele erlebnisreiche und unvergessliche Stunden mit den KollegInnen, Freunden und Fans vor und hinter der Bühne, dass wünsche ich ihn… alles Liebe

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  2. Gabriele Roller

    Ein genialer Koukol !!! aber trotzdem blutet einem das Herz wenn man weiß, welche Stimme dieser Künstler hat und man sie nicht hören kann….. Aber es kommen ja im nächsten Jahr schöne Produktionen wo er dann endlich wieder singen darf. Gell Muschniggi *g*

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  3. Pingback: Die Tanzsaison hält im Wiener Ronacher noch immer an – Langeweile auf Dauer? Von wegen! » Buehnennetzwerk.de

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