Die Praxis ist eröffnet – Dr. Dolittle praktiziert zum ersten Mal auf Deutsch im Salzburger Landestheater

Wer hat noch nicht von Dr. Dolittle gehört, der Arzt, dem die Tiere vertrauen und der wundersame Abenteuer erlebt. Die Geschichte stammt von Hugh Lofting. Nach einer schweren Kriegsverletzung hat er, beginnend ab 1920 fast jährlich ein neues Buch über den Tierarzt geschrieben und damit viele Leser in seinen Bann gezogen.

Das Musical, das mehrere der Geschichten in einem vereint, feierte am 7.12.2017 seine deutschsprachige Erstaufführung am Landestheater Salzburg. Auch der Film aus dem Jahr 1967 mit Rex Harrison in der Titelrolle wurde als Grundlage herangezogen. Musik, Buch und Gesangstexte stammen von Leslie Bricusse. Die gelungene Übersetzung ist von Christian Poewe. Leider weißt die Musik einige Schwächen auf, da vieles relativ gleich klingt und der berühmt berüchtigte Ohrwurm wird leider vergeblich gesucht und ist somit fast das einzige Tier, das nicht vorkommt. Trotzdem ertönt das Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Robin Davis wundervoll und kräftig aus dem Orchestergraben.

Die Inszenierung hatte Andreas Gergen übernommen. Man sagt ja im Theater gern, dass Tiere und Kinder stets mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als die erwachsenen Akteure. Da man „Doctor Dolittle“ nicht ohne Tiere spielen kann wurde eine tolle Symbiose von Mensch und Tier gefunden. Im Affenkostüm steckte z.B. komplett ein Mensch (Alexander Soehnle) und musste die ganze Zeit auf Knien „gehen“, während bei anderen Tieren wie z.B. dem Schwein eine Kombination gefunden wurde. Philipp Andreas Sievers hatte sich den Vorderteil des Tieres umgegurtet, seine eigenen Beine waren die des Tieres und mit Stäben konnte er die Vorderbeine bewegen. Andere Tiere wie z.B. die Robbe (Genia Maria Karasek) oder der Papagei Polynesia (Eva Christine Just) wurden getragen oder als Handpuppe verwendet. Stichwort Robbe – Karasek sorgte als todtraurige Sophie für berührende Momente. Sie war voll und ganz in ihrem Tiercharakter drinnen und ihre Gesichtszüge zeigten, wie sehr die Robbe Sehnsucht nach ihrem Mann hat. Als Dr. Dolittle die Robbenpuppe in den Arm nimmt, ist das mit Sicherheit einer der bewegendsten Momente, nicht zuletzt dank der Mimik von Genia Maria Karasek. Die Schneiderei des Salzburger Landestheaters hatte bei der Kreation der Puppen ganze Arbeit geleistet – Kompliment. Für die Choreographie war Danny Costello verantwortlich. Tiere, Solisten, Chor und Ballett, alle sehr oft gleichzeitig auf der Bühne, mussten koordiniert werden. Auch die sehr oft stattfindenden flashbacks mussten ruckzuck von vonstattengehen und es durfte keine zu langen Pausen geben. Das alles wurde gekonnt gelöst. In der Gerichtsverhandlung wurde sogar ein echter Hund als Zeuge zugelassen. In der Premiere spielte ein großer (waschechter) Leonbergerrüde namens Gabro die Rolle des Rufus und auch er blieb brav im Zeugenstand an der Leine und ließ die Befragung über sich ergehen.

Die Handlung beginnt in England des Jahres 1837 in der Kleinstadt Puddleby-auf-der-Marsch. Der Tierarzt Dr. John Dolittle steht vor Gericht, angeklagt, weil er seine Frau in den Bristolkanal geworfen haben soll. Natürlich glaubt ihm keiner, dass es nur eine Robbe war, die Heimweh hat und in Rückblenden wird seine Geschichte erzählt. Man erfährt wie er, dank des Papageies Polynesia die Sprache der Tiere erlernt und ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Dank eines Stoßmich-Ziehdichs, ein lamaartiges Tier mit zwei Köpfen an jedem Körperende kam er zum Zirkus, um seine nächste große Reise zur Rosa Riesenseeschnecke finanzieren zu können. Dort rettet er die Robbe Sophie, die in Gefangenschaft von ihrem Eheman getrennt wurde. Mit der Zeit hat er in Emma Fairfax, der Nichte des Richters eine Fürsprecherin gewonnen, obwohl diese ihn am Anfang nicht ausstehen konnte. Dummerweise landet er trotzdem im Irrenhaus – mit Tieren reden hat die Welt schließlich noch nicht gesehen. Dolittle kann mit Hilfe seiner tierischen Freunde aus der Anstalt fliehen und mit dem Katzenfuttermann Matthew Mugg, dem Waisenkind Tommy Stubbins und seinen Tieren, Göb-Göb, das Schwein, Jip, der Hund, Tschi-Tschi, der Schimpanse und natürlich Polynesia geht es auf das Schiff namens „Flunder“. Emma, die sich mittlerweile in den Doc verguckt hat, ist als blinder Passagier mit von der Partie. Ein schwerer Sturm lässt das Schiff kentern und sie landen auf der Seesterninsel, die auch das Ziel gewesen war. Dr. Dolittle trifft dort auf seinen Kollegen Schneller Ochs, der ihn auch seinem Ziel, der Rosa Riesenseeschnecke näherbringt. Diese bringt alle, bis auf John Dolittle, wieder zurück nach England. Der Doktor vermisst sein altes Leben und auch Emma. Diese hat in der Zwischenzeit den Streik der Tiere organisiert und es geschafft, dass ihr Onkel, der Richter, die Verbannung des Arztes wieder aufhebt. Die Rebellion der Tiere ist erfolgreich und Dolittle darf wieder in die Heimat. Seinen Transport organisiert er sich auch auf eine außergewöhnliche Art und Weise, nämlich mit der Großen Mondmotte. Diese bringt ihn, sehr zur Freude all seiner Freunde, sicher zurück und es gibt auch ein Happy End für Emma und John.

Uwe Kröger konnte für die Rolle des tierliebenden Arztes Dr. John Dolittle gewonnen werden. Er gestaltete seine Rolle wirklich so, dass man ihm abnahm, dass er mit Tieren besser kann als mit Menschen. Ausnahmen bestätigten die Regel wie Matthew, Tommy oder später Emma. Seine Interaktion mit den Puppen war sehr intensiv, was u.a. in der Szene mit Sophie, der Robbe im Song „Seh‘ ich nur diesen Blick“ zu tragen kam. Hier herrschte eine ganz spezielle, eigene Magie. Hut ab, dass Kröger soviele neue Sprachen gelernt hatte. Gekonnt unterhielt er sich quakend, bellend, grunzend oder verständigte sich mit diversen Gesten. Sein Doktor war voll Elan und Entdeckergeist und man sah ihm an, dass ihm „Sprechen von Mensch zu Tier“ wichtig ist. Auch die Message, dass man Tieren mit Respekt begegnen soll, kam an. Kleiners humoriges Detail am Rande, die Stimme des Papageis Polynesia kam von Pia Douwes die somit zumindest stimmlich auch auf der Bühne vertreten war.

Julia-Elena Heinrich gab die sehr resolute Nichte des Richters, Emma Fairfax, die am Anfang den Doktor für etwas eigenartig und seltsam hielt. Im Lauf des Stücks war aber dennoch zu merken, wie sie sich Stück für Stück immer mehr zu ihm hingezogen fühlte. Und auch wenn sie sich wie im Titel „Sie sind lächerlich“ gegenseitig anzickten, so kam aber mit der Zeit das Sprichwort „was sich liebt, das neckt sich“ zu tragen.

Marc Seitz als irischer Katzenfuttermann Matthew Mugg ging voll und ganz im Patriotismus zu seiner Heimat auf und Dr. Dolittle hatte in ihm einen Freund, auf den er sich verlassen konnte. Seitz brachte sehr gut in „Mein Freund der Doktor“ zum Ausdruck, dass er hinter ihm steht. Dass auch er gut mit Tieren kann und sie respektiert ist in vielen Szenen eindeutig zu erkennen.

Leonard Radauer spielte am Premierenabend den Waisenjungen Tommy Stubbins mit soviel Selbstsicherheit und Selbstverständlichkeit, so als wäre er schon jahrelang auf der Bühne und würde nichts anderes machen.

Axel Meinhardt verkörperte im Stück den bösen General Bellowes. Er war der Richter, dem die gute Ordnung über alles ging und der auf keine Jagd verzichten wollte, egal ob die Opfer sprechen können oder nicht.

Elliott Carlton Hines alias Zirkusdirektor Albert Blossom hatte bei „Noch nie hab ich sowas gesehen“, umgeben von seinen toll gestylten Artisten, den wohl schillerndsten Auftritt. Hines hatte eine sehr angenehme Stimme, tolle Bühnenpräsenz und steppte mit dem Stoßmich-Ziehdich um die Wette.

Marco Dott stellte Schneller Ochs, einen Kollegen von Dr. Dolittle auf der Seesterninsel dar. Aufgrund seines weißen Outfits und er langen, ebenfalls weißen Haare, hatte er fast schon etwas Elbenartiges an sich. Wie sich aber herausstellte, war er kein Eingeborener, sondern ein kultivierter englischer Gentleman, der auch auf den fünf-Uhr-Tee nicht gern verzichtet.

Großes Kompliment nochmals an die Figurenspieler bzw. das Musicalensemble Elisa Afie Agbaglah, Eva Christine Just, Genia Maria Karasek, Philipp Andreas Sievers und Alexander Soehnle, die mit großer Spielfreude und Leidenschaft die Tiere zum Leben erweckten.

„Doctor Dolittle ist ein familientaugliches Musical, das auf jeden Fall eine klare Botschaft hat, nämlich, dass man darüber nachdenken soll, wie man sowohl seine Mitmenschen, als auch Tiere bzw. Lebewesen generell zu behandeln hat.

Noch bis 15.6.2018 hat die Ordination im Salzburger Landestheater geöffnet.

Nähere Infos zu Spielplan und Kartenerwerb unter: www.salzburger-landestheater.at

Quelle: Andrea Martin

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