Italienische Vokalakrobatik trifft auf holländische Stimmkunst: Cluster und Rock4 zeigten im Wiener Metropol ihr Können

Das Internationale Konzert-Festival der Vokal-Akrobatik in Wien, welches von 3.11. bis 3.12 2017 in Wien stattfindet, hat uns am 22.11. ins Wiener Metropol im 17. Bezirk geführt. Am Programm standen die italienische Vokalgruppe Cluster, die von fünf StudentInnen des Conservatorio Paganini in Genua 2004 gegründet wurde und zu den besten Vokalgruppen Italiens zählt sowie die holländische Formation Rock4.

Als erstes traten die Italiener auf und wurden von Luc Nelissen, einem Mitglied von Rock4 angekündigt. Nach der Pause übernahm die Anmoderation Liwen Magnatta für Rock4, was eine sehr nette Geste von beiden Gruppen war.

Der Stil von Cluster ist eine Kombination aus Jazzpop, Rock und Fusion und sie hatten noch einige andere Überraschungen für das Publikum parat. Die Gruppe besteht aus Nicola Nastos, Liwen Magnatta, Letizia Poltini, Erik Bosio und Marco Meriggio. Natürlich ist es fast schon Pflicht für eine italienische Gruppe auch italienische Songs zu singen, so war der Einstiegssong auch von allen gemeinsam das bekannte „Nel blu dipinto di blu“. Liwen hatte dann bei „I wish“ (Stevie Wonder) die Leadstimme übernommen. Der Song hörte sich toll an und zum ersten Mal fragte man sich, wo die versteckten Instrumente sind. „Enjoy the silence“ im Original von Depeche Mode, wurde in einer ganz speziellen Version dargeboten, die es sich dank Magnattas toller Stimme in sich hatte. Als die Herren dann noch beatboxten hatten sie das Publikum schon auf ihrer Seite. Eine kleine Hommage an Wolfgang Amadeus Mozart gab es bei „L’ho perduta, me meschina“. Die Herren durften die Bühne verlassen, während die Damen sich gegenüberstanden, abwechselnd sangen bzw. die „nicht vorhandenen“ Instrumente spielten. Vor allem Poltini bewies sich in den hohen Tönen. Dann zeigten die Herren in einer humorigen Einlage, was sie zu Beginn gemeinsam gemacht hatten und ließen plötzlich ungeahnte Heavy Metal Klänge ertönen. Diese wurden dann gemischt mit dem opernhaften Klang der Damen und so bekam man ein ganz eigenes crossover special zu hören. „Il pescatore“ war auch ein schöner Song (Lead Liwen) und besonders überraschte Nicola Nastos mit einer sensationellen Solo-Trommeleinlage, natürlich wieder alles nur mit der Stimme. Sehr unterhaltsam wurde es dann bei einem Beatboxing Duell zwischen Nastos und Bosio. Nach bzw. während „I say a little prayer for you“ ging es bei beiden so richtig zur Sache und beide schenkten sich nichts. Witzig auch die Idee, dass sie den Song einmal zu schnell, dann wieder zu langsam oder sogar mit Hängenbleiben sangen. Zum Schluss wurde es noch rockig, was der Gruppe sehr gut stand. „Back in black“ von AC/DC war genauso vertreten wie „My Sharona“ oder „I love Rock n‘ Roll“. So richtig cool war auch „Smoke on the water“ von Nastos. Das Publikum war begeistert und bekam auch noch eine Zugabe. Ein bekannter Song wurde angekündigt, den wohl jeder kennt und „Hallelujah“ von Leonard Cohen kann man wirklich getrost so bezeichnen. Die fünf zeigten eine perfekte Harmonie des Gleichklangs und sangen den Song mit viel Inbrunst. Schade, dass der erste Teil dann auch schon vorbei war, das Publikum war in jedem Fall sehr zufrieden.

Nach der Pause zeigten Rock4 Ausschnitte aus ihrem aktuellen Programm „Rock4 presents The Beatles: Abbey Road“. Natürlich stand für die Gruppe am Anfang die Frage im Raum ob sie die große Herausforderung annehmen sollen und legendäre Songs der Beatles einfach a cappella singen dürfen und sollen. Aber sie hatten schon Songs von Queen oder The Police interpretiert, warum nicht also auch von den „Fab Four“ (zumal ja auch das „four“ eine Gemeinsamkeit darstellt). Die Gruppe besteht aus: Luc Devens, Luc Nelissen, Lucas Blommers und Miklós Németh. Das Intro von Blommers war ein gregorianischer Choral, der eine kleine Anspielung auf den Titel des Albums „Abbey Road“ sein sollte, wie eine Nachfrage nach dem Auftritt ergab. Dann folgten Beatles-Songs, wie man sie vermutlich so noch nie gehört hatte, da die Rock4 Sänger, allen voran der charismatische Luc Devens, sehr experimentierfreudig sind. Das ist auch ihr Erkennungsmerkmal. Als erstes Beispiel gab es den Titel „Come together“ zu hören. Danach gab es einen kurzen smalltalk von Devens, in dem er herauszufinden versuchte, was beide Vokalgruppen gemeinsam hätten. Mit Augenzwinkern meinte er humorig, dass beide nicht bei der WM dabei sind, was allerdings für die Holländer schlimmer ist. Als das Publikum daraufhin lachte, gab es natürlich noch eine kleine Anspielung, dass Österreich „nie“ dabei wäre. Jeden der Beatles-Songs machten sie zu ihrem eigenen und standen neben „Something“ auch „Eleanor Rigby“ auf der Setlist. Letzterer wurde von Nelissen interpretiert. Bei „Oh! Darling“ schmachtete Devens auf eine gewisse Jekyll & Hyde Manier, die man so nicht erahnen hätte können. Mit Blommers als Leadsänger besuchte man dann „Octopus’s Garden“ und Németh, der vor allem aufgrund des Zupfens seiner nicht vorhandenen E-Gitarre auffiel, durfte bei „Blackbird“ den Gesang übernehmen. Eine sehr schöne und reduzierte Nummer. Dann kündigte Luc Devens an, dass sie auch Songs singen würden, die nicht von den Beatles, wohl aber von einzelnen Mitgliedern gesungen wurden. Er wurde von seinen drei Kollegen allein gelassen und interpretierte John Lennons „Imagine“. Hier wurde auf jegliche Art von Schnickschnack verzichtet und Devens besann sich auf das Wesentliche des Songs, den Text. Diese Darbietung war mit Sicherheit ein Highlight, zumal es auch so still war, dass man eine Stecknadel fallen hätte hören können. Bei „Live and let die“ ging es dann wieder etwas wilder zu und irgendwie wirkte Devens, nicht zuletzt dank seiner Gesichtsmimik wie ein perfekte Mischung aus braver Schuljunge und Jack Nicholson. Nachdem die Gruppe ihre letzte Nummer angekündigt hatte, gab es sogar standing ovations, was das Quartett natürlich sehr freute. Es folgten mit „Let it be“ (wieder eine sehr pure Interpretation von Devens) und „A day in the life“ noch zwei Zugaben, sehr zur Freude der Anwesenden. Rock4 kann man definitiv in keine Schublade stecken und man darf gespannt sein, welche Größen des Musikbusiness sie sich in Zukunft noch vornehmen werden.

Un breve riassunto per i nostri lettori italiani:
Il quintetto, composto da Nicola Nastos, Liwen Magnatta, Letizia Poltini, Erik Bosio e Marco Meriggio, ha convinto al voicemania Festival di Vienna con canzoni italiane come „Nel blu dipinto di blu“ e „Il pescatore“. Ma ci sono state anche le ottime interpretazioni di „Enjoy the silence“ dei Depeche Mode e i ritmi rock di “I love Rock n’ Roll“ e Smoke on the water.
Piccoli duelli beatboxing hanno sciolto l’atmosfera e ogni tanto ci si domandava: “ma dove hanno nascosto gli strumenti”?

Rock4 kort samengevat voor onze Nederlandse lezers:

Rock4 uit Nederland, (bestaat uit Luc Devens, Luc Nelissen, Lucas Blommers en Miklós Németh,) wijden hun programma bij het “Voicemania” festival in Wenen aan Beatles klassiekers van het Album “Abbey Road“. Ze houden ervan om te experimenteren met de muziek en dat kon het aanwezige publiek wel waarderen. In het programma o.a. nummers als “Come together”, „Eleanor Rigby“ of “Let it be”. Vooral de charismatische Devens liet met zijn eigen interpretatie van de nummers horen waartoe de heren in staat waren en dat werd uiteindelijk met een staande ovatie beloond!

Quelle: Andrea Martin

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