Nam nam lecker: “Der kleine Horrorladen” im Theater Hof

Wir haben es doch gewußt! Die mean green mother from outer space hat mal wieder so richtig das Theater gerockt und alle zum Frühstück verschlungen, die nicht schnell genug waren. Und das war keiner am gestrigen Abend im Theater Hof. Diese Pflanze war einfach genial! Ein Riesenkompliment an Kadya Bryant für das Puppenspiel und an Léon van Leeuwenberg für die fantastisch sadistische herrlich gemeine Stimme von Audrey II. Auch alle anderen Darsteller waren einfach herrlich und entführten jeden mit dem ersten Ton in die Skid Row.

Benjamin A. Merkl als Seymour
Dieser Junge ist ein richtiger Glücksgriff als Seymour. Genauso stellt man ihn sich vor und genau so ist er. Ihm nahm man die Verwandlung jede Sekunde ab. Er spielte das ungeliebte Waisenkind genauso überzeugend, wie den unglücklich in Audrey Verliebten, auch als der Erfolg und die Zweifel kamen, war er einfach glaubwürdig. Sein Kampf mit und gegen II war einfach so herrlich aberwitzig und gleichzeitig überzeugend. Bravo!

Miriam Schwan als Audrey
Man litt mir ihr unter ihrem sadistischen Freund, man weinte und man freute sich mit ihr. Sie erweckte ihre Rolle zum Leben und sang so herrlich leicht und rein. Sie spielte Audrey auf eine etwas andere Weise als man den Charakter kennt und es tat der Rolle keinen Abbruch, im Gegenteil, es kam sehr gut bei den Leuten im Publikum an. Sie erhielt zu Recht sehr viel Applaus und Bravo-Rufe. Auch von uns ein lautes Bravo!

Ralf Hocke als Mr. Mushnick
Ihm nahm man den verbitterten und knausrigen Blumenladenbesitzer sofort ab. Mit seiner markanten Sprechstimme zog er die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich, aber nur so lange, wie es benötigt war. Er lebte den Mr. Mushnick. Er war Mr. Mushnick. Sein Gesang und seine ganze Mimik und Gestik waren so wunderbar überzeugend, wie er sich vom verbitterten Ladenbesitzer zum reichen Mann (und dann Pflanzenfutter) entwickelt hat, war wunderbar.

Dominique Bals in mehreren Rollen (Orin Scrivello, Obdachloser, Chinese, Bernstein, Mrs. Luce, Agent)
So viele Rollen (fast) auf einmal und jede Rolle war für sich einzigartig. Der Mann ist ein Allround-Talent. Die größte der Rollen war die des Zahnarztes Orin Scrivello, welche er mit einer Hingabe und Leidenschaft spielte. Aber auch jede andere seiner Rollen erfüllte er mit Perfektion und Liebe. Man fragte sich hin und wieder, in welcher Rolle er denn als Nächstes auftreten würde. Und er kam immer wieder. Ihn haben wir schon mehrmals am Theater Hof gesehen und waren nie von ihm enttäuscht, so auch dieses Mal nicht.

Julia Leinweber als Chrystal, Julia Harneit als Chiffon und Cornelia Löhr als Ronnette
Die drei Mädels versüßten den Abend ungemein. Sie führten in ihren Rollen und diversen Verkleidungen durch das Stück und sangen, tanzten und swingten sich in die Herzen des Publikums. So manch flirtender Pfiff ertönte, wenn die drei auftraten. Zu Recht!

Léon van Leeuwenberg als Audrey IIs Stimme
Bei der Stimme bekommt man Gänsehaut! Im positiven Sinne. Er hauchte der Pflanze so herrlich Leben ein mit seiner unverwechselbaren Stimme, man freute sich immer, wenn man ihn hörte und die Pflanze spielte. Er konnte mit seiner Stimme Seymour dazu bringen, sich schlecht zu fühlen, er brachte ihn dazu Dinge zu tun, die der junge Mann sonst nie getan hätte. Seine Stimme war Audrey II, mal lieb und bittend, dann wieder hart und fordernd. Solch eine Wandlung in der Stimme, manchmal in nur einem Satz, war herrlich anzuhören. Diese Stimme war einfach nur wow.

Kayda Bryant als Pflanzen”Mami”
Mit Ihr steht und fällt das Stück: Audrey II oder: die Pflanze. Doch diese Pflanze war der Hit. Klein und süß als Handpuppe, dann größer und nicht mehr ganz so süß, aber dennoch mit einem perfekten Timing und dann die Riesenaudrey, die 4 Meter groß war und nicht nur deswegen beeindruckend. Die Pflanze war einfach atemberaubend. Auch sie entwickelte sich und wurde zu einem fleischfressenden Monster, mit dem man dennoch immer wieder Mitleid bekam, was man auch in den Puppen sah. Sie waren wunderschön detailliert gearbeitet und man vergaß sehr schnell, dass es “nur” Puppen waren. Sie erwachten zum Leben.

Die ganze Bühne erwachte zum Leben und zog die Zuschauer in ihren Bann. Schon beim Betreten des Saales machte sich eine ganz besondere Stimmung breit und die Vorfreude wuchs ins Unermessliche. Das Bühnenbild von Herbert Buckmiller und später dann die Kostüme von Annette Mahlendorf machten die Illusion perfekt. Man vergaß völlig, dass man in einem Theater sass, man fühlte sich wie ein Teil der Geschichte. Besonders zum Schluss hin, aber mehr wollen wir nicht verraten.

Wie schon erwähnt, liegt viel daran, wie die Pflanze dargestellt wird und dass diese Pflanze beeindruckt hat, konnte man schon in der Pause und dann auch später beim Verlassen des Saales bemerken. Selbst die anwesenden Kinder waren begeistert. Sie waren mit einer solchen Detailtreue und Liebe gebaut worden, man muss vor Bernd Martin und Nadine Rott wirklich den Hut ziehen. Sie verstehen ihr Handwerk wirklich gut. Auch hier nochmals ein riesengrosses Bravo!

Weitere Termine:
18.02.2018, 19:30 Uhr
21.02.2018, 19:30 Uhr
25.02.2018, 19:30 Uhr
26.02.2018, 12:00 Uhr
02.03.2018, 19:30 Uhr
03.03.2018, 19:30 Uhr
10.03.2018, 19:30 Uhr
11.03.2018, 19:30 Uhr
24.03.2018, 19:30 Uhr
25.03.2018, 18:00 Uhr

Schön an dieser Inszenierung war auch, dass das Orchester mit auf der Bühne war, es thronte über dem Blumenladen. Es bestand aus “nur” 5 Leuten, aber diese 5 hatten es in sich. Am Klavier sass Michael Falk, am Bass war Gerd Rossner. An der Gitarre rockte Ralf Wunschelmeier und am Saxophon Christopher von Mammen. Das Schlagzeug bediente Harry Tröger. Auch sie bekamen den würdigen Applaus, den sie verdienten.

Es sei jedem ans Herz gelegt, sich dieses Stück in dieser Inszenierung an diesem Theater anzusehen. Egal wie weit die Anreise ist, es lohnt sich auf jeden Fall!

Quelle: Christine

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