Rezension “La Cenerentola” im Landestheater Coburg: Ein Märchen im Comicstil

Wie sagte der designierte Intendant am gestrigen Abend so treffend: Krankheit macht auch vor dem Theater nicht Halt. Doch die Not machte das LTC erfinderisch und so erlebte das Publikum dennoch einen unvergesslichen Abend, der, so hoffen wir, in die Analen des LTC eingehen wird. Auch wenn zwei der Darsteller erkrankt waren, standen sie dennoch auf der Bühne und unterhielten das Publikum auf einzigartige Art und Weise. Michael Lion erfüllte seine Rolle mit Leben und sang selbst, trotz einer Erkrankung. Und Franz Xaver Schlecht stand auch auf der Bühne, doch sang er nicht. Der Gesangspart für ihn wurde übernommen von Seymor Karimov, der extra aus Regensburg gekommen war. Doch gab diese Änderung dem Stück einen ungeahnten aber witzigen Touch, da sich Franz Xaver Schlecht nun ganz auf sein schauspielerisches Können konzentrieren konnte und so das Publikum immens unterhielt. Alles Schlechte hat auch immer etwas Gutes.

Man mag über Rossini und auch über das Stück denken was man möchte. Egal ob man die Musik mag oder das Stück oder beides oder auch nicht, dennoch gelang es das LTC am gestrigen Abend jeden mitzureißen und den Abend mit donnerndem Applaus und Fußgetrappel enden zu lassen. Und gerade die Tatsachen, dass einige der Darsteller gesundheitlich angeschlagen waren und einige Requisiten ein Eigenleben entwickeln wollten und einige der Kleider und Frisuren es den Trägern schwer machen wollten, machten den Abend so herrlich normal und gleichzeitig auch zu etwas Besonderem, denn er zeigte, dass gerade das Unperfekte einfach viel schöner ist, als das Perfekte.

Dieses Aschenputtel war einfach witzig, in seiner gesamten Komposition. Seien es die kleinen ferngesteuerten Ratten gewesen, oder auch die Kostüme, oder das Bühnenbild, welches in seiner Komposition an ein Märchen- oder Malbuch erinnerte. War das Bühnenbild schwarz-weiss, waren die Kostüme dafür dementsprechend bunt, besonders die der beiden Schwester. Immerhin mussten die beiden ja auffallen, brachte ihnen aber nichts. Gar nichts.

Das gesamte Creativeteam im Überblick:
Inszenierung: Tibor Torell
Bühnenbild und Kostüme: Kristopher Kempf
Dramaturgie: Susanne von Tobien
Choreinstudierung: Davide Lorenzato

Die Darsteller im Einzelnen:
Paul Kroeger als Don Ramiro
Er entspricht jetzt nicht dem Klischee des Disney-Prinzen, doch das ist auch egal. Er erfüllt er seine Rolle mit wahrer Größe, im doppeltem Sinne. Dieser hochgewachsene, schlanke junge Mann spielte seine Rollen voller Liebe und flirtete dabei mit dem Publikum. Egal ob sich seine Rolle grade lächerlich machte oder ob er hocherhobenen Hauptes sich zu seinem Aschenputtel bekannte, er war immer voller Stolz und Würde. Mit Liebe und Hingabe belebte er den Don Ramiro zum Leben.

Franz Xaver Schlecht als Dandini (szenisch)
Pantomime par excellence, da ja leider seine Stimme angeschlagen war, aber dafür kam er beim Publikum sehr gut an. Er sorgte mit seiner lockeren, fast schon lässig-coolen Art immer wieder für Lach- und Kicheranfälle unter den Damen. Er hatte zwar “nur” seine Gesten und sein Gesicht, um alles auszudrücken, doch nutzte er sein Potential voll aus und gewann so die Herzen des Zuschauer.

Seymur Karimov als Dandini (gesanglich)
Eingesprungen als Stimme und leider immer im Hintergrund lieh er Franz Xaver Schlecht die Worte und sang sich mit seiner warmen Stimme in die Sinne des Publikums. Für seine Leistung und sein schnelles Einspringen bekam er am Ende einen verdienten Applaus.

Michael Lion als Don Magnifico
Uns kein Unbekannter, und wieder spielt er den Bösewicht. Auch er war gesundheitlich angeschlagen, doch sang er selbst. Sein Einsatz wurde vom Publikum mit donnerndem Applaus belohnt, zu Recht. Er spielte die Rolle des Vaters so herrlich tramplig und fast schon ekelerregend, genauso, wie es sein sollte. Man konnte mit seinen Töchtern mitleiden und war selbst froh, nicht zu nah bei diesem Mann sein zu müssen. Er transportierte das Gefühl des Ekels und des Abscheus mal einfach so, wie mit einem Fingerschnipp, in das Publikum.

Kora Pavelic als Angelina (Aschenputtel)
Was für eine Stimme! Und was für eine bezauberndes Wesen. Sie verzauberte da Publikum mit ihrer putzigen Art und ihrer Mimik, ganz zu schweigen von ihrer Stimme. Für diese Rolle scheint sie geboren zu sein. Man kann kaum glauben, dass dieses zarte Wesen solch ein Stimme hervorbringen kann. Die Verwandlung vom unterdrückten, schüchternen Wesen zur selbstbewußten jungen Frau und Prinzessin gelingt ihr mit einer Leichtigkeit, die man nur bewundern kann und muss.

Emily Lorini als Tisbe und Julia Da Rio als Clorinde
Zu den beiden fällt einem nur eines: Sind das Zicken! Diese Zicken hasst man von Anfang an. Wie Michael Lion schaffen sie es, dieses Gefühl einfach mal so zu transportieren. Ihre Stimmen sind herausragend und auch ihr Spiel ließ die Zuschauer immer wieder lachen und kichern. Sie spielten die beiden Schwestern so herrlich überzogen, dass es eine wahre Pracht war, ihnen zuzusehen.

Padraic Rowan als Alidoro
Die “gute Fee” des Stückes. Ihm sah man den Schelm sofort an und auch seine Spielfreude war ungekünstelt. Mit klarer und tieferer Stimme führt er Aschenputtel zu ihrem Glück und ließ die Geschichte ein guten Ende nehmen. Mit ihm hatte man als Bettler Mitleid und später nahm man ihn als den Mentor wahr, der er für Aschenputtel geworden war. Wie alle anderen erfüllte sein Spiel das Herz der Zuschauer.

Zusammen mit dem Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg und dem Herrenchor des Landestheaters Coburg (in putzigen Kostümen) gelang ihnen allen ein unvergesslicher Abend. Das Publikum war begeistert und wollte die Darsteller gar nicht mehr von der Bühne lassen.

Wir wünschen dem Cast und alles Beteiligten für alle weiteren Termine alles Gute und weiterhin solch einen Erfolg mit dieser Oper.

  • Premiere: Sa, 03.02.2018 – 19.30
  • Mi, 07.02.2018 – 19.30
  • Fr, 09.02.2018 – 19.30
  • Mi, 14.02.2018 – 19.30
  • Sa, 17.02.2018 – 19.30
  • Di, 20.02.2018 – 19.30
  • So, 25.02.2018 – 15.00
  • Do, 15.03.2018 – 19.30
  • Fr, 23.03.2018 – 19.30
  • So, 25.03.2018 – 15.00
  • Do, 29.03.2018 – 19.30

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