Supercalifragilisticexpialigetisch – MARY POPPINS ist in Hamburg angekommen

Mary Poppins ist das wohl bezauberndste und bekannteste Kindermädchen aller Zeiten. Viele Menschen verbinden mit dieser Figur wunderbare Kindheitserinnerungen. Wer hätte nicht gern so ein Kindermädchen gehabt?

Die Geschichte von Mary Poppins wurde schon mit der Verfilmung von 1964 – mit Julie Andrews in der Titelrolle – ein Welterfolg. Mittlerweile hat die Geschichte die Musicalbühnen erobert. Die Deutschlandpremiere fand 2016 in Stuttgart statt; seit dem 25. Februar 2018  ist MARY POPPINS nun in Hamburg im „Stage Theater an der Elbe“ zu sehen und folgte damit auf das Musical TANZ DER VAMPIRE.

Das Musical MARY POPPINS basiert auf der 6-teiligen Mary-Poppins-Kinderbuchreihe von Pamela L. Travers (ab dem Jahr 1934) und dem gleichnamigen Disney-Film aus dem Jahr 1964, der mit fünf Oscars ausgezeichnet wurde. Uraufführung feierte die Musicalversion von MARY POPPINS am 15. Dezember 2004 in England. Sie hat bisher über 30 international wichtige Auszeichnungen erhalten und wurde von mehr als 12 Millionen Menschen weltweit gesehen, unter anderem am New Yorker Broadway,  Australien, Neuseeland und in Wien. Mit zeitlosen Hits wie „Chim Chim Cheree“ (erhielt 1965 einen Oscar als „Bester Song“) und „Supercalifragilisticexpialigetisch“ begeistert das Musical seine Zuschauer immer wieder aufs Neue.

MARY POPPINS erzählt die Geschichte des gleichnamigen Kindermädchens, das vom Ehepaar Banks für ihre Kinder Jane und Michael engagiert wird.

London 1910: Familie Banks ist – mal wieder – auf der Suche nach einem neuen Kindermädchen, nachdem die Kinder ihre letzte Nanny in die Flucht geschlagen haben. Michael und Jane haben eigene Vorstellungen, wie das perfekte Kindermädchen sein soll. Doch ihr Vater sieht das völlig anders, er legt mehr Wert auf Disziplin.

Als Mary Poppins bei den Banks auftaucht, überrascht sie die Familie mit ihren außergewöhnlichen Methoden. Besonders die Kinder schließen Mary schnell ins Herz. Sie erleben mit ihr zahlreiche magische und unvergessliche Abenteuer, bei denen sie u.a. den Schornsteinfeger Bert kennen lernen. Doch Streit und Probleme belasten zunehmend das Familienleben. Mary Poppins verlässt das Haus, damit die Familie in Ruhe über sich nachdenkt.

Als Ersatz für Mary Poppins engagiert Mrs. Banks Miss Andrew, das ehemalige Kindermädchen ihres Mannes. Doch mit ihr werden die Probleme noch größer, ihr Erziehungsstil (Bestrafungen mit Fischöl) stößt auf wenig Gegenliebe.

Unerwartet kehrt Mary Poppins zurück. Es kommt zum großen Krach zwischen den Kindermädchen, Mary Poppins erteilt Miss Andrew eine Lektion und lässt sie ihre Methoden am eigenen Leib erfahren; jetzt muss sie Fischöl trinken.

Danach wendet sich für die Familie alles zum Guten, sie ist wieder gemeinsam glücklich. Vater Banks verliert (anders als im Film) seine Stellung nicht, sondern wird sogar befördert.

Mary Poppins hat ihre Aufgabe erfüllt und muss nun die Familie und Bert verlassen. Sie fliegt mit ihrem Schirm davon und verschwindet über ihren Köpfen.

MARY POPPINS ist eine Co-Produktion von Disney (Produzent für Disney Theatrical Productions ist Thomas Schumacher) und Cameron Mackintosh.

Das international renommierte Kreativteam umfasst u.a. die Brüder Richard M. Sherman und Robert B. Sherman, die verantwortlich zeichnen für die Originalmusik und die Liedtexte. Sie schufen berühmte Songs, die einfach jeder kennt, Ohrwürmer wie „Chim Chim Cheree“, „Supercalifragilisticexpialigetisch“ und “Ein Teelöffel voll Zucker”. Und diese Songs sind es auch, die das Premierenpublikum an diesem Abend begeistern, es zum Mitklatschen und Mitsingen anregen. Der Applaus ist bei jedem Lied riesengroß.

Zusätzliche Musik und Liedtexte komponierten George Stiles & Anthony Drewe.

Pamela L. Travers schrieb eine berührende, zeitlose Geschichte, in der die Werte und die Kraft einer Familie im Mittelpunkt stehen. Daraus entwickelte der Drehbuchautor und und Oscar-Preisträger Julian Fellowes eine stimmige, charmante Bühnenversion, in der allerdings die Botschaft des Stücks, Alles kann passieren, wenn man es will”, doch sehr im Mittelpunkt steht. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die Songs von George Stiles und Anthony Drewe.

Kostüme und das Bühnenbild stammen von Bob Crowley.  Und die Aufgabe hat er großartig gelöst!! Das Haus der Familie Banks, das wie ein überdimensionales Puppenhaus wirkt, kann nach vorn fahren, sich drehen und öffnen, der Park mit seinen Statuen, mal im grauen Regen, mal mit farbenprächtigen Blumen, die Dächer von London mit vielen rauchenden Schornsteinen, mal die kalte, riesige Bank, in Mr. Banks arbeitet – jedes Bild ist einfach phantastisch! Bob Crowley gestaltete ein Bühnenbild, das die Zuschauer beeindruckt und ihm auch zahlreiche Preise einbrachte. Seine Kostüme sind ebenfalls bemerkenswert, typisch für den Anfang des 20. Jahrhunderts, doch auch farbenprächtig und zudem originell (besonders die der Statuen).
Um die magischen Fähigkeiten von Mary Poppins auf der Bühne umsetzen zu können, wurde mit Jim Steinmeyer ein Illusionsdesigner gewonnen, der bereits für Disney magische Effekte entwickelt hat (BEAUTY AND THE BEAST). So zaubert Mary Poppins aus ihrer kleinen Reisetasche eine große Pflanze, einen Spiegel, etc. hervor, sie kann fliegen und verwandelt sogar einen grauen Park in ein Blumenmeer.

Theater- und Filmregisseur Richard Eyre führte Regie, die Co-Regie und die Choreographie übernahm Sir Matthew Bourne.

Die Filmversion wirkte mittlerweile etwas altbacken, immerhin ist der Film ja auch über 50 Jahre alt. Regisseur Richard Eyre hat ihn entstaubt; die Geschichte spielt immer noch 1910, Beziehungsprobleme gab es damals wie heute. Aber Richard Eyre hat sie frisch und modern verpackt. Auch die Choreographie und das Tempo der Ensemblenummern lassen die Show flott und modern wirken. Im übrigen: Das gesamte Ensemble bot am Premierenabend eine furiose tänzerische Leistung!!

Die Figur der Mary Poppins hat Regisseur Eyre zwar etwas strenger angelegt (und entspricht somit eher der Buchversion). Doch ihre Liebenswürdigkeit und ihr Charme lassen Mary die Herzen der Familie Banks und die der Zuschauer zufliegen. Der antiquierte Erziehungsstil und das überholte Frauenbild der Eltern Banks passt in die Zeit. Doch das Verhalten und die Aufmüpfigkeit der Kinder –  da hat der Regisseur etwas überzogen, das passt nicht ins Jahr 1910. Die Botschaft des Stücks, alles kann passieren, ist sicher richtig, auch Mr. Banks Ansichten über Familie und Beruf, “Korrektheit und Ordnung”, sind wichtig für das Verständnis des Geschehens. Doch die häufigen Wiederholungen dieser Wörter lassen sie sehr plakativ erscheinen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Inszenierung durch die Magie und den Charme von Mary  Poppins, durch das Bühnenbild und die aufwändigen Ensemble-Tanznummern besticht. Das gesamte Kreativteam hat eine große Leistung abgeliefert!

Ebenso wie die DarstellerInnen, allen voran Elisabeth Hübert.
Nachdem sie das Hamburger Publikum schon als Jane (in TARZAN, deutsche Uraufführung 2008) und als Annettte Ackermann (DAS WUNDER VON BERN, Uraufführung 2014) begeisterte, spielt Elisabeth Hübert – wie schon in Stuttgart –  jetzt auch in Hamburg die Titelrolle. Und sie ist eine grandiose Mary Poppins! Die Rolle scheint ihr auf den Leib geschrieben zu sein. Ihre Mary hat immer ein Lächeln auf den Lippen, ist energisch, liebevoll, charmant, selbstbewusst, zauberhaft, streng, aber immer mit einem Augenzwinkern – so wie man sich Mary Poppins eben vorstellt. Elisabeth Hübert zeigt alle Facetten! Dazu bringt sie eine sehr gute gesangliche und tänzerische Leistung. Sie tanzt bei jeder Tanznummer mit und das nahezu perfekt. Chapeau, Elisabeth Hübert!

David Boyd stand schon in Wien und Stuttgart als Bert auf der Bühne. Er begann seine Karriere als Tänzer am Schottischen Nationalballett Glasgow. Seine tänzerischen Qualitäten kommen ihm als Bert zugute. Hier darf er aber auch über die Bühne steppen. Und das macht er sehr gut. Ansonsten ist David Boyd der sympathische Freund von Mary und den Kindern.

Livio Cecini zeigt einen steifen George Banks, der eine schwierige Kindheit hatte, keine Gefühle zulässt und sich insgeheim für einen Versager hält. Schauspierisch bot er eine ordentliche Leistung, leider lässt  seine Aussprache manchmal zu wünschen übrig.

Milica Jovanovic als Winifred Banks zeigt eine Frau, die ihren Beruf aufgegeben hat und nur noch als Hausfrau und Mutter agiert.  Die Künstlerin wusste besonders mit ihrer Stimme zu überzeugen.

Maaike Schuurmans als Kindermädchen Miss Andrews war ganz der garstige Hausdrachen, der schon George Banks eingeschüchtert hat und nun Jane und Michael das Fürchten lehrt.

Am Premierenabend wurden die Kinder von Marjan (schnippisch, mehr als die Rolle verlangt) und Liam (sehr niedlich, gute Aussprache) gespielt.

Betty Vermeulen zeigt eine anrührende Vogelfrau, immer auf das Wohl der Vögel bedacht, aber die auch zwischenmenschliche Werte vermittelt.

Wer die Geschichte von Mary Poppins genau kennt – entweder vom Buch oder vom Film her – dem fallen Unterschiede auf. Das Musical vermischt Elemente aus beidem und ergänzt eigene Elemente. So fehlt im Vergleich zum Film beispielsweise die schwebende Teeparty bei Onkel Albert. Stattdessen findet der Zuschauer in der Bühnenversion den Besuch im Laden von Mrs. Corry und die tanzenden Statuen. Aufgrund der Unterschiede zum Film und dramaturgischer Änderungen wurden einige Musiktitel aus dem Film gestrichen, während neue Titel ergänzt wurden.

MARY POPPINS – ein echter Klassiker ist nach Hamburg gekommen! Das Musical versprüht den Charme der alten Zeit, ohne verstaubt zu sein. Mary Poppins ist und bleibt das zauberhafte Kindermädchen, das jeder kennt und liebt, das die Welt der Banks bunter und turbulenter macht und dem Publikum, Klein und Groß, einen schönen Theaterabend beschert. In so manchem Zuschauer werden Erinnerungen an die eigene Kindheit wach….

Quelle: Claudia Schachtschneider

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