Musical Unplugged 11 … und ein Ende ist nicht in Sicht…

…und das ist gut so, denn Musical Unplugged 1 fand bereits 2007 mit kleiner Besetzung statt und das Format hat sich bewährt. Jedes Jahr kam ein Konzert dazu, meist mit einer Zahl hintendran, aber auch mit einem kleinen Zusatz, wenn es sich um ein sogenanntes Special handelte. Musical Unplugged hat jetzt nicht unbedingt nur etwas mit dem Genre Musical zu tun. Natürlich sind hauptsächlich Musicalsongs vertreten, aber es schummeln sich auch immer wieder österreichische Popsongs hinein oder sogar Kirchenlieder. Das Team rund um Gründer und Organisator Florian Schützenhofer legt sich somit auf nichts fest, kann aber alles bedienen. Die Formation hat keinen fixen SängerInnenstamm, wohl aber ist Schützenhofer immer und Semotan fast immer dabei. Es wird von jeglichen Moderationen, Choreographien und Kostümen Abstand genommen. Wichtig ist es, dass das Publikum mit den drei wichtigen Elementen Gesang (dieser steht definitiv im Vordergrund), Klavier und Lichttechnik begeistert werden kann. Wobei eigentlich müsste man noch ein viertes Element dazu nehmen, denn eine ordentliche Prise Humor ist auch immer wieder mit dabei und wird von den Leuten, die die Formation schon kennen, sehnsüchtig erwartet. Seit mittlerweile 11 Jahren halten Freunde und Fans der Formation die Treue und das Konzept scheint aufgegangen zu sein.

Am 23.4.2018 war es wieder soweit. Ein weiteres Mal war die Kulturszene in Kottingbrunn der Treffpunkt von Künstlern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, die aber in jedem Fall eines verbindet – die Leidenschaft zur Musik. Sage und schreibe 10 KünstlerInnen versammelten sich an diesem Abend auf der Bühne, allerdings nicht gleichzeitig, damit jedem genügend Aufmerksamkeit zuteil wird und man sich als Zuseher bewusst auf einzelne Personen konzentrieren kann. Schwerpunkte dieses Konzerts waren eindeutig Songs aus „Tanz der Vampire“ und Austropopnummern. Am Klavier saß zum ersten Mal niemand geringerer als Walter Lochmann, im „wahren Leben“ Dirigent, Komponist, Arrangeur und Pianist. In Kottingbrunn gab er das Ein-Mann-Orchester hinter den schwarz-weißen Tasten. Die Sänger am 23.4. waren: Florian Schützenhofer, Jakob Semotan, Kai Peterson, Christoph Apfelbeck, Charles Kreische, Michael Vinzenz sowie als jüngste im Bunde Moritz Mausser und Lorenz Pojer. Als einziges weibliches Mitglied stand Denise Schrenzer auf der Bühne, aber ganz und gar nicht auf verlorenem Posten. Gleich vier der Herren, Peterson, Apfelbeck, Kreische und Mausser feierten ihre Premiere bei „Musical Unplugged“ und gaben einen guten Einstand.

Mit „He, Ho, He!“ aus „Tanz der Vampire“ wurde der Abend von Semotan als Alfred eröffnet. Schon da merkte man, dass hier eine gewaltige Stimme in dem Sänger zuhause ist. „Totale Finsternis“ herrschte dann nur aufgrund des folgenden Songtitels, den Semotan mit Schützenhofer bestritt. Manchmal werden derartige Duette bei den beiden mit einer unterschwelligen Portion Humor versehen. Bei diesem Duett war alles wirklich ernst gemeint, auch wenn Schützenhofer eine so noch nie dagewesene Sarah gab. Auch Semotans „Für Sarah“ überzeugte dank stimmlicher Kraft und es ist immer wieder schön bei Sängern zu sehen, was für eine unglaubliche Entwicklung sie im Lauf der Jahre gemacht haben. Passend zum zweiten aktuell laufenden und sehr erfolgreichen Musical „I am from Austria“ folgte als erster Austropopsongbeitrag „Haben sie Wien schon bei Nacht gesehen?“, ebenfalls von Jakob interpretiert. Die Lichttechnik spielte wieder alle Stückerl und passend zu „Dancing through life“ aus „Wicked“ wurde die Bühne in grünes Licht getaucht. Zu den beiden Sängern gesellte sich dann Denise Schrenzer. In einer sehr reduzierten, gefühlvollen Version gab es dann von ihr und Florian Schützenhofer die „Never Ending Story“, was man sich auch von dem Abend wünschte, auch wenn dieser erst begonnen hatte. „Eh du verloren bist“ aus „Dracula“ wurde von dem Trio mit ordentlicher Stimmgewalt dargeboten und bewies, dass man weder viele Musikinstrumente (es gab noch immer nur ein Klavier als Begleitung) noch jede Menge Sänger braucht, um einen ordentlichen Klangkörper zu bilden. Wer bei „Das Gebet“ aus „Tanz der Vampire“ statt der Textzeile „Gott bewahr uns vor dem Grauen“ etwas Anderes verstanden hatte, der war definitiv ein treuer Besucher der „Musical Unplugged“ Konzerte. Hier gab es für Programmkenner definitiv einen kleinen Schmunzelmoment. Walter Lochmann’s Klaviersolo, das fast schon unter dem Motto „Mozart meets Elisabeth &Phantom der Oper“ stand, war sehr gelungen und kam gut beim Publikum an. Schrenzer durfte dann allein auf der Bühne mit „I liassert Kirschen für di wachsen“ ein schönes Liebeslied der etwas anderen Art interpretieren.

Dann gab es einen kleinen Wechsel und die jüngsten enterten die Bühne. Moritz Mausser gab „Empty chairs at empty tables“ aus Les Miserables zum Besten und sorgte mit seiner Stimme für einen wow-Moment. Seinen Namen sollte man sich auf jeden Fall merken, von ihm wird es noch so einiges zu hören geben. Er gehört definitiv auf die Bühne und sang dieses Lied unglaublich gut. Ein fast schon alter Hase im Showgeschäft ist der jüngste, Lorenz Pojer. Er stand nicht nur schon mit dieser Formation auf der Bühne, nein er spielte bereits u.a. in „Mary Poppins“, „Sound of music“, „Elisabeth“ und ist auch im Kinder- und Jugendchor der Volksoper. Mit verschmitztem Lausbubencharme sang er „Little people“, ebenfalls aus „Les Miserables“ mit so einer Leichtigkeit und vor allem mit einer unglaublich tollen englischen Aussprache, dass man sich schon ein paar Schritte vor dem Westend wähnte. Am Ende des ersten Teils gab von den fünf SängerInnen einen speziellen Ausflug in die Kirche mit „Ubi Caritas“, welches in „Oh Herr“ aus den „3 Musketieren“ überging. Hier, wie auch bei einigen anderen Titelkombinationen wurden zwei oder mehrere Lieder so miteinander harmonisch verbunden, dass sie zu einer Einheit wurden, Schützenhofer, dem diese Songzusammenführungen zu verdanken sind, hatte ganze Arbeit geleistet. Mit einem stimmungsvollen „Hallelujah“ (Cohen) wurde das Publikum dann in die Pause entlassen.

Nach der Pause gab es auf der Bühne einen Sängerwechsel. Charles Kreische und Christoph Apfelbeck fühlten die Nacht bei „Carpe Noctem“ und das Publikum mit ihnen. Kreische stellte dann fest „Wer ich wirklich bin“ („Tarzan“) und überzeugte das Publikum mit seiner Leistung. Als er am Schluss die Worte „Ich bin ein Mensch“ aussprach, war eindeutig für alle klar, dass er kein Vampir für die Ewigkeit bleiben wird. Auch wenn Apfelbeck diesen Sommer in Winzendorf in „3 Musketiere“ den Athos geben wird, schlüpfte er für den Song in die Rolle des D’Artagnan und interpretierte „Heut ist der Tag“ mit viel Unternehmungsdrang. Diesen Drang musste man auch in „Draußen“ aus „Der Glöckner von Notre Dame“ verkörpern und Kreische hatte damit keinerlei Probleme.
Gottseidank war er nicht draußen, sondern drinnen im Saal und man konnte ihm bei dieser tollen Nummer zuhören. Ein außergewöhnliches Duett („Die Schatten werden länger“) der beiden, Apfelbeck als der Tod und Kreische als Kronprinz Rudolf beendete den Block, der nur den beiden gehört hatte.

Mit „Es tuat so weh, wenn ma verliert“ gab Michael Vinzenz seinen Einstand. Wer würde ihm nach diesem Titel nicht so einiges verzeihen? Gemeinsam mit Jakob Semotan interpretierte er dann „Questa nuova realtà“ von Konstantin Wecker, bei dem letztendlich beide gemeinsam sogar auf Italienisch sangen. Als letzter Neuzugang durfte dann auch Kai Peterson ran. Von ihm gab es das selten gesungene „Freudiana“ aus dem gleichnamigen Stück zu hören. Denise Schrenzer fragte sich dann „Mama who bore me“ aus „Spring Awakening“ und erzeugte eine sehr melancholische Stimmung. Diese übernahm gleich Peterson, der für „Verona II“ aus „Romeo & Julia“ seitlich in einem Lichtkegel stand. Er sang das Lied des Fürsten sehr reduziert und konnte vielleicht auch bei dem ein oder anderen Gänsehaut erzeugen. Dann wurde es wieder wärmer, denn „Immer wieder geht die Sonne auf“ und zwar dank Peterson und Schrenzer. Einen letzten Ausflug zu den Vampiren gab es mit „Gott ist tot“ (Semotan) und „Die unstillbare Gier“ (Schützenhofer). Ein weiteres Highlight war „Ich bin dein Spiegel“ aus „Freudiana“ von Semotan, nach dem Motto „save the best for last“. „Ein gefährliches Spiel“ spielten zu guter Letzt Semotan und Schützenhofer, wobei Jakob in die Rolle von Hyde schlüpfte und Florian die Lucy gab und sich beide immer wieder bei vorsichtigen Annäherungsversuchen umgarnten.

Danach hielt das begeisterte Publikum nichts mehr auf den Stühlen und es gab langanhaltenden Beifall und standing ovations. Zum Dank kamen dann noch alle der Reihe nach auf die Bühne und es gab eine Mischung aus einer deutsch/englischen Version von „Nimm oh Herr die Gaben die wir bringen/Last Supper“. Ein fulminantes Finale, das noch einmal die hervorragende Qualität dieser Formation bewies.

Für alle, die wieder oder ein erstes Mal dabei sein möchten, es wurde bereits der neue Termin für 2019 (29.4.) festgesetzt und der Kartenverkauf hat auch bereits begonnen (Tickets unter: https://www.kulturszene.at/veranstaltungen/musical-unplugged-12)

Wer mehr über „Musical Unplugged“ erfahren möchte, kann sich auf www.musical-unplugged.at informieren.

Quelle: Andrea Martin

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!