Musical Zirkus – die etwas andere Vorstellung des Cirkus Pikard

Der familiär geführte Zirkus, den seine jährliche Tournee, die dieses Jahr den Titel „Darf’s a bisserl mehr sein“ trägt, quer durch Niederösterreich führt hatte im Zeitraum vom 3.-13.5.2018 sein Zelt am Rande von Wiener Neudorf aufgeschlagen. Termine zu weiteren Gastspielen, die bis Mitte November stattfinden, kann man hier nachlesen.

Am 13.5. stand keine gewöhnliche Zirkusshow am Programm, sondern es hieß „Manege frei“ für den „Musical Zirkus“. Der Cirkus Pikard hat ab und an interessante Kooperationen mit Künstlern, die sonst nicht in einem Zirkus zu finden sind, so auch die Formation „Dolls & Guy“. Sie besteht aus Tanja Petrasek (derzeit im Ensemble von „Tanz der Vampire“ und als Cover Magda, Rebecca zu sehen), Daria Kinzer sowie Pablo Grande (bekannt aus „Die große Chance der Chöre“, ORF und diesen Sommer in „Les Miserables“ in Staatz/NÖ zu sehen).

Gemeinsam gestalteten die Mitglieder des Zirkus sowie das Gesangstrio eine besondere Vorstellung, die eine gelungene Kombination aus akrobatischen, clownesken und gesanglichen Darbietungen war. Nach einem kleinen Warm-up mit Eddy Carello, bei dem ihn das Publikum „die Welle mit Akustik“ begeistern musste, ging es auch schon los. Als Eröffnungsnummer sang das Trio „Theater Theater“ und das Publikum ging sofort gut mit. Für die Moderationen zwischendurch hatte man Reinhard Reiskopf verpflichtet, der mit seiner angenehmen, tiefen Stimme Interessantes aus der Welt des Zirkus und des Musicals zu berichten wusste. Zu verschiedenen eingespielten Musicalsongs wie „Super Trouper“, „Big Spender oder „Time of my life“ zeigte Romana Schneller eine interessante Quickchangeeinlage. Einmal wo kurz verschwunden und schwups kam sie in einem anderen Outfit hervor. Sehr gut mit den ausgewählten Titeln im Einklang waren die gewählten Kostüme und die passenden Bewegungen dazu. „You are the one that I want“ fanden dann Kinzer und Grande. Auch die SängerInnen wechselten fast bei jedem Song ihre Outfits und zeigten somit immer einen anderen Look. Hier zogen vor allem, neben Darias toller Stimme, ihre wahnsinnig langen Beine die Aufmerksamkeit auf sich. Leider waren Grande stimmliche Probleme anzumerken und man konnte erahnen, dass er nicht ganz fit auf der Bühne stand. Am Schluss wurde diese Vermutung auch bestätigt, da beim Finale verraten wurde, dass er eigentlich nicht auf die Bühne gehört hätte. Hut ab, dass Grande seine beiden Kolleginnen nicht im Stich ließ und strahlte, so als wäre nichts gewesen. In Zirkussen sind keine Wildtiere mehr gestattet, aber musicalisch gab es doch einen kleinen Ausflug zum „König der Löwen“ mit „Can you feel the love tonight“ dargeboten von Petrasek und Kinzer. Dann gab es eine kleine Überraschung, die der Moderator im Auftrag eines Besuchers überbrachte. Dieser wollte seine Frau, die er sehr liebt überraschen, was auch gelungen ist. Sie bekam Blumen, Schokolade und im Anschluss wurde ihr Lieblingslied aus einem Musical, nämlich „Ich gehör nur mir“, wunderschön von Tanja Petrasek gesungen.

Danach folgte eine Jonglagenummer mit Fussbällen von Alexander Schneller. Sogar auf einem großen Gymnastikball balancierend gelang die Nummer, warum es sich leicht machen, wenn man noch einen Schwierigkeitsgrad draufsetzen kann. Auch Carello schnappte sich die Bälle und zeigte, dass er ein guter Jongleur ist. Kinzer und Petrasek teilten sich dann ein Lied und zeigten Frauenpower bei „I don’t know how to love him“ aus „Jesus Christ Superstar“. Das „Dolls & Guy“ Trio untermalte dann den folgenden artistischen Beitrag mit „Imagine“ und zwar auf Spanisch und deutsch. Die kleinste Künstlerin des Abends war an der Reihe. Die kleine 11jährige Gloria flatterte zuerst mit Schmetterlingsflügerln durch die Manege, als diese fielen schnappte sie sich das Vertikaltuch und zeigte, wie gut man darin schon in ganz jungen Jahren sein kann. Dem Publikum stockte teilweise der Atem, ohne Netz und doppelten Boden war sie die Herrin der Lüfte und beherrschte das Tuch aus dem Effeff. Die folgende Nummer „Lass jetzt los“ wäre als Tipp nicht sehr ratsam gewesen… Zu dritt entführten sie in das Reich der Eiskönigin und lieferten einen starken Auftritt. Als Eiskönigin hatte sich Romana Schneller verkleidet. Teile des Kostüms fielen aber für ihre Einlage als Antipodistin (was soviel bedeutet wie Fussjonglage). Kopfüber liegt sie auf einem schräg abfallenden, gepolsterten Stuhl, der sogenannten Couchette, um dann mit Händen und – vor allem – Füßen diverse Gegenstände zu jonglieren. Passend zum Thema waren es ein großer Stern und Ball, später dann große Rollen. Eine unglaubliche Körperbeherrschung bis in die Zehenspitzen ist hier von Nöten. Untermalt wurde die Nummer durch tolle Musik, zu der passend alles in die Höhe geworfen wurde, was Romana auf die Füsse und in die Hände kam. Dschungelfeeling kam dann auf, als A. Schneller und Josy Caselly im Tarzan- und Janeoutfit passend zu „Dir gehört mein Herz“ eine Tuchakrobatikeinlage der besonderen Art in luftiger Höhe lieferten. Ein schönes, harmonisches Zusammenspiel der beiden, die sich wirklich ohne Kompromisse aufeinander verlassen können mussten. Nach einer kleinen Spaßnummer von Eddy, Balasz Guti und seinem Sohn Aron bei dem es um den richtigen Moment beim Fotografieren ging und auch jemand aus dem Publikum miteinbezogen wurde, ging es schon in das große Finale des ersten Teils. Es wurde vom Trio Kinzer, Petrasek und Grande mit einem ausgiebigen „Mamma Mia!“ Medley bestritten, das nochmals für so richtig gute Laune sorgte.

Zu „Frei und schwerelos“ aus „Wicked“ (toll gesungen von Daria Kinzer) gab sich Josy Caselly im wahrsten Sinn des Wortes schwerelos, nämlich als sie zeigte, wie unglaublich geschickt sie das Seil beherrschte. So als wäre es eine ganz normale Schaukel schwang sie höher und höher und zeigte Drehungen und Sprünge, die sich gewaschen hatten.

Die „Totale Finsternis“ umhüllte das Publikum dann nur auf gesanglicher Ebene, nämlich als das Trio, die Manege komplett in rot gehüllt, das Lied aus „Tanz der Vampire“ zum Besten gab. Von Transsilvanien ging es dann nach Ägypten. Bei passender Untermalung wie „Walk like an Agyptian“ oder „Dark Horse“ von Katy Perry zeigte Maria Gschwandtner ihre Künste als Kontorsionistin oder auch bekannt unter dem Begriff Schlangenfrau. Sie verbog sich gekonnt und vor allem sehr elegant in alle Windrichtungen und so manch einer bekam schon beim Zusehen einen Muskelkater. Bei „Sind die Sterne gegen uns“ klang in einer Mischung aus spanisch (Pablo Grande) und deutsch (Daria Kinzer) sehr gut und vor allem der doch sehr angeschlagene Grande war beim spanischen sehr präsent. Währenddessen zeigten Alexander Schneller und Josy Caselly wieder tolle Partnerakrobatik, dieses Mal am Boden, aber nicht weniger spektakulär. Nach einem kleinen Ausflug zu „Mary Poppins“ von Tanja Petrasek bei „Superkalifragilistik“ unterhielt Eddy Carello als Supermario-Double mit einer witzigen Boomerangnummer. Der Zirkuschef, Alexander Schneller, kam als Luigi dazu gab es eine spannende Jonglagenummer, bei der Füße, Arme, Kopf und das Seil, auf dem Eddy zeitweise stand als Jonglierfläche herhielten. Kurzfristig wurde die Manege sogar verdunkelt und die Reifen leuchteten hell. Alles in allem eine anstrengende, aber in jedem Fall unterhaltsame Darbietung. Dann wurde es magisch, Daria im Glitzerbody sang im Hintergrund „Mondlicht“, während Maria als Kätzchen verkleidet im Luftring über den Köpfen des Publikums ihre Künste zeigte. Dieses war schwer begeistert, vor allem am Ende, als nur der Kopf in einer Schlaufe hing und sie sich wie wild drehte.

„Das Phantom der Oper“ machte dann die Manege unsicher. Tanja setzte stimmmässig mit ihrer Christine-Interpretation nochmal eines drauf und auch Pablos Stimme schien langsam wieder zu kommen. Mit der „Ananas aus Caracas“ (Pablo Grande) wurde ein fruchtiges Finale eingeläutet, das ins Nachdenkliche „Send in the clowns“, bei dem sich Balasz Guti in der Manege schminkte, überging. Als großes Finale von „Dolls & Guy“ gab es ein schwungvolles Medley aus Songs von „Ich war noch niemals in New York“, bei dem sich schlussendlich alle gemeinsam vom Publikum verabschiedeten.

Hier ein paar Momente bildlich eingefangen, das Lied ist “Send in the Clowns”, welches am Ende der Show live gesungen wurde.

Quelle: Andrea Martin

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