Wer ist … Alexander Kuchinka?

Googelt man Alexander Kuchinka, dann bekommt man eine lange Liste an Informationen, was er alles ist, von Schauspieler über Kabarettist, über Sänger, Regisseur bis Autor, Komponist und Musiker. Als was sieht sich der in Wien lebende gebürtige Klagenfurter selbst? „Bühnenkünstler wäre eine hübsche Zusammenfassung, wenn man schon nach einem griffigen Etikett sucht. Generell nervt mich aber, dass bei uns so gern diese kleinkarierten Grenzen gezogen und Genres und Funktionen auseinanderdividiert werden, die durchaus zusammengehören.“ Er stellt sich im gleichen Atemzug auch die Fragen „Warum soll ein Sänger nicht schauspielern können? Warum soll ein Schauspieler nicht was von Regie verstehen? Warum soll ein Regisseur nicht auch selber schreiben können? Warum soll ein Songtexter nicht musikalisch sein? Und was ist so abwegig daran, wenn ein Komponist auch singt?“ Er hat aber auch eine kurze und knackige Selbstbeschreibung für unsere Leser parat: „Alexander Kuchinka ist ein unverwüstliches Theaterpferd, das für Humor und Vielfältigkeit steht und bevorzugt an der Schnittstelle von Musik und Schauspiel zu finden ist.“

Fehlt bei seinen vielen Tätigkeiten jetzt wirklich nur mehr der Choreograph, wollten wir mit Augenzwinkern wissen. Mit Augenzwinkern kam auch die Antwort retour: Falls kein professioneller Choreograph im Team ist und die Darsteller tänzerisch noch weniger davon verstehen als er selbst, studiert Kuchinka in seinen Inszenierungen schon auch mal einfache Schritte und Bewegungsabläufe mit ein. Er stellte aber auch klar, dass er KEIN Bühnenbildner, Kostümbildner, Arrangeur, Dirigent, Konzertpianist, Videokünstler, …ist. Aber man weiß ja nie, was nicht ist, kann noch werden, zumindest würde das gut ins Bild eines Bühnenkünstlers passen, meinen wir.

(c) Robert Peres

Was ist das reizvollste für Kuchinka an seinen ganzen Tätigkeiten? Er gibt an, dass die Herausforderung immer das Neue, das Unerprobte, das scheinbar Unmögliche ist. Auch nach 30 Jahren Berufserfahrung in den vorhin erwähnten Kategorien kommt immer wieder etwas Neues auf einen zu, man muss nur offen und neugierig genug sein. Ob er lieber auf oder hinter der Bühne agiert? Die Kombination macht es für ihn aus!

Sein Lebenslauf (nachzulesen auch auf seiner HP www.kuchinka.cc) hat mittlerweile doch schon eine beachtliche Länge erreicht. Wir wollten ihm die Antwort auf die Frage entlocken, ob es drei Meilensteine in seinem Berufsleben gibt, die er nicht missen möchte. Auf die berühmten drei Antworten wollte er sich dann aber doch nicht reduzieren, da sein Schaffen mittlerweile einfach schon zu umfang- und abwechslungsreich ist. Nicht leugnen kann man aber die Tatsache, dass der erste Preis für sein Nachbarschaftsmusical „Zzaun!“ beim „Creators“-Musicalwettbewerb 2015 in Hamburg als Erfolg einzustufen ist. Für Kuchinka war das ein Zufall und die richtige Gelegenheit zur richtigen Zeit. Er hatte von einem Freund von dem Wettbewerb erfahren, das Musical selbst war aber schon seit zwei Jahren fertig.

Ist es so einfach zu sagen „ich schreibe jetzt ein ganzes Musical?“ Vermutlich nicht, aber im Fall von „Zzaun! – das Nachbarschaftsmusical“ hatte Kuchinka einen konkreten Arbeitsauftrag mit ein paar klaren Vorgaben, das erleichterte zumindest den Einstieg. Kuchinka: „Es sollte um einen Nachbarschaftsstreit im Schrebergarten- oder Reihenhausmilieu gehen, das brachte meinen Partner Tilmann von Blomberg gleich auf die Idee der schrittweisen grotesken Eskalation ins globale Ausmaß. Und mit all diesen Elementen im Gepäck haben wir uns zusammengesetzt und gemeinsam das detaillierte Handlungskonzept entworfen.“

(c) Robert Peres

Auch wenn Kuchinka angibt, dass die Personen in diesem Stück nicht das Wichtigste sind, sondern die Vehikel, um die Eskalationsschraube zügig vorwärtszudrehen, so haben die beiden natürlich auf saftige, „aus dem Leben gegriffene“ Charaktere gesetzt, allein schon der Glaubwürdigkeit und der Identifikation wegen. Alexander Kuchinka ist sich sicher: „So verrückt kann man gar nicht fabulieren, dass sich nicht irgendwo auf der Welt ein lebendiges Beispiel findet. Man hat immer irgendwelche Typen als Vorbilder im Kopf und es ist gleichzeitig dann doch immer irgendwie ein Zufall, wenn die auf der Straße herumlaufen oder gar nebenan wohnen.“

Zäune und Mauern sind ja ein sehr aktuelles Thema, welchen Zaun würde Kuchinka gerne niederreißen oder wo würde er gerne einen errichten? Die Antwort wird nicht lange überlegt: „Den Zaun der Genregrenzen im deutschsprachigen Theater, der gehört schon lang niedergerissen. Aufstellen möchte ich keinen, zumindest keinen, der über eine symbolische Abgrenzung aus Übersichtsgründen hinausgeht.“

Sein Werk „Zzaun!“ hat gute Kritiken bekommen, auf die Frage, ob er generell Kritiken liest, äußerte er sich wie folgt: „Ja klar. Genauso gern, wie ich mit Zuschauern über ihre Einschätzung rede. Kunst ist Kommunikation und alle Meinungen zählen. Jedenfalls bin ich auf die Vielfalt der Sichtweisen neugierig, auch wenn ich naturgemäß nicht alle teile.“

Bis es allerdings zur Uraufführung des Stücks „Zzaun!“ kam, mussten einige Hindernisse überwunden werden. Zunächst einmal hat man sich natürlich sehr gefreut, dass es ein Haus gab, das sich traute, ein völlig unbekanntes Stück mit irritierendem Titel und einem Originalstoff (es gab ja keinerlei bestehende Vorlage, die bearbeitet wurde) als Uraufführung auf den Spielplan zu setzen – die Staatsoperette Dresden.

(c) Robert Peres

Was dann kurz vor der geplanten Uraufführung im Oktober passierte, lässt Alexander Kuchinka Revue passieren: „Zehn Tage vor der Premiere bei einer routinemäßigen Wartung der Sprinkleranlage wurde die Bühne komplett geflutet und für drei Monate unbenutzbar. Das war einfach ein Riesenpech – nicht nur für uns, sondern auch und gerade für die Staatsoperette, deren Spielplan ja auf viele Wochen hinaus lahmgelegt war, und das in einem nagelneuen Haus. Natürlich stürzt man da als hoffnungsvoller Urheber erst einmal irgendwie ins Leere, aber die Instandsetzungsarbeiten gingen dann doch vergleichsweise zügig voran und es war auch bald ein Ersatztermin für uns da, sodass meine größte Sorge nur die war, dass „Zzaun!“ noch zu einer Zeit herauskommen möge, in der die weltpolitische Entwicklung den ohnehin galligen Humor nicht gänzlich ungenießbar gemacht hat. Immerhin haben sich erst vor ein paar Monaten Trump und Kim derartig gefetzt, als wären wir tief im vierten Bild unseres Musicals.“

In diesem Sommer wird „Zzaun!“ auch seine Open Air Premiere erleben, und zwar auf der Waldbühne Kloster Oesede im Landkreis Osnabrück. Auf die Frage, ob Kuchinka stolz ist und dieser Produktion auch einen Besuch abstatten wird, gab er wie folgt Auskunft: „Stolz ist so eine Gefühlskategorie, mit der ich nicht viel anfange, bei mir setzt meist schnell das große Relativieren ein, im Positiven wie im Negativen. Aber natürlich ist es schön, dass sich mit Oesede bereits der zweite Produzent gefunden hat, der unserem Stück ohne weitere Referenzen vertraut. Und klar, neugierig genug bin ich, dort hinzufahren, ich hoffe nur, dass das auch in den sommerlichen Terminkalender passt.“

Kuchinka scheint neuen Herausforderungen nicht abgeneigt zu sein. Wie steht er zu neuen Stoffen, welche Art von Stücken brauchen die Menschen? „Ich weiß nicht, ob Menschen überhaupt Stücke brauchen; aber wenn sie schon welche anschauen gehen, dann am besten solche, die was zu sagen haben, ohne das legitime Unterhaltungsbedürfnis der Menschen vollkommen zu ignorieren.“

(c) Robert Peres

Natürlich entkam Alexander Kuchinka auch unserer Frage nach den 3 Emojis, die ihn am besten beschreiben würden nicht. Diese sehen wie folgt aus:

Vielen Dank an Alexander Kuchinka für den Einblick in sein Leben und mögen ihm zukünftig möglichst wenig Zäune & Co im Weg stehen!

Quelle: Andrea Martin

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