3 Stunden Lachmuskeltraining, die es in sich haben

Wir schreiben das Jahr 932 nach Christus. König Artus himself hat von Gott höchstpersönlich (der spricht bayrisch!!!) den oberwichtigen Auftrag erhalten, den heiligen Gral zu finden. Nicht Aal, nicht Wahl, nein GRAL! Und um Gottes verschwundenen Kaffeebecher wiederzubeschaffen, scharrt nun besagter König die edelsten und heldenhaftesten Recken um sich. Naja, soweit erstmal der Plan…

Nun zur Ausführung. Bei näherer Betrachtung sind die Ritter der Tafelrunde jedoch eher eine Ansammlung schräger Vögel, deren Intelligenz, Mut und sexuelle Orientierung doch ein wenig, wenn nicht sogar sehr, fragwürdig sind. Nun galoppeln unsere Helden los, ohne Pferd, dafür aber mit Kokosnüssen, die beim Nichtreiten an strategisch günstigen Stellen platziert werden. Auf ihrer Reise mehrmals über die Bühne begegnen sie so einigen seltsamen Gestalten: unbesiegbare Ritter, Killerkaninchen und politisch Radikale. Alles kein Problem, denn unsere Helden haben ja Hilfe: die Fee aus dem See (alle anderen mehr oder minder freundlichen Beschreibungen für die Dame lassen wir hier mal beiseite) und ihre (jetzt kommts) Cheerjungfrauen. Diese Ladies und Gentlemen mischen die Story mit Las-Vegas-würdigen Showeinlagen ab.

Soweit die Geschichte. Achja, natürlich finden sie Gottes Teepott wieder und am Ende gibt es auch noch eine Hochzeit, alle sind glücklich und die Lachmuskeln sind gestärkt. Ebenso wurde das leibliche Wohl gut umsorgt, also das des Publikums.

Den Film kennt man, zumindest jeder im Publikum am 21.06. Nun ist dies ja die Musicalversion dazu, die den Film liebenswert zerfleddert hat und mit eingängigen Songs und Melodien das Publikum zum Mitsingen einlädt. Hat auch super geklappt bei “Always look on the bright side of life”. Erstaunlich wie viel von dem Lied im Gehirn hängengeblieben ist. Abgerundet wird das Ganze mit dem herrlichen britischen Humor, der so wunderbar schwarz ist, dass sich alle Vampire und Phantome hellweiß vorkommen.

Das wäre erstmal so die Zusammenfassung der Geschichte, kommen wir nun zu denen, die auf, unter, hinter und vor der Bühne waren. Also die Darsteller, Technik und Orchester, nicht das Publikum, obwohl ja zumindest einer vom Publikum mal kurz in die Riege der Darsteller aufsteigen durfte, hockte er doch auf Gottes langvermisstem Kakaotässchen.

Ulrich Kielhorn gab uns den König Artus. Seine Hoheit hoch zu Ross, der sein Reich bereiste und versuchte, was Gescheites zu finden um oben mehrmals erwähntes Esspressotässchen zu ergattern, welches Gott irgendwo verloren hatte, außerdem sollte er ihm dabei nicht unter den Rock schauen. Schwieriges Unterfangen, guggte man doch direkt auf Gottes Beine. Schwierig muss es auch sein, bei all der Komik nicht ins Lachen zu verfallen und seine Texte und Lieder noch zu wissen. Trotz allem Klamauks gab er seinem König eine Würde und Eleganz, die eben einem König würdig ist. Bravo!

Enrico Spohn war Patsy. König Artus getreues… ja was eigentlich? Pferd oder Diener? Oder beides? Also ein Pferdediener? Oder ein Dienerpferd? Oder ein Pfiener? Egal, er war immer an seiner Seite, was dann der König zum Ende dann auch mal bemerkte. Und immer hatte er ein Lächeln auf den Lippen, welches einfach nur ansteckend war. Auch so zog er das Publikum mit und sie fieberten und litten mit ihm. Immer wieder hörte man im Publikum die Mitleidsbekundungen oder Anfeuerungen für ihn. Er war auch für die Kokosnüsse verantwortlich, ohne die Artus ja gar nicht reiten konnte, und er nahm seine Aufgabe sehr ernst, war er ja sein treuer Begleiter. Genau, Begleiter!

Timo Verse war Sir Robin oder auch Mister Musical. Mit dem Kämpfen hatte es ja Sir Robin nicht so, aber dafür konnte er die 2. Aufgabe der Ritter aus dem Wald, lösen. Man muss eben nicht so ein Haudrauf wie Sir Lancelot sein, um sich in der Teerunde des Königs behaupten zu können. Mit seiner superprinzischen Frisur (eine echte Prinz Eisenherz-Frisur eben) machte er wirklich was her und begeisterte die Leute auf und vor der Bühne, als er endlich seine Aufgabe gefunden hatte. Hallali!

Jörn Kolpe gab Sir Lancelot. Den Haudrauf der Geschichte, der auch seine weiche Seite hatte, die er aber kaum zeigte. Wenn dann dufte nur Prinz Herbert sie sehen. Im Kämpfen und Duellieren war er spitze, auch im Gesang, und in Spitzenstrapsen. Er schwang das Schwert zwar jetzt nicht mit Eleganz, aber dafür mir Kraft und Gewalt und ordentlich Gebrüll. Kam mal einer zu Tode dabei, dann gab es dazu passend ein “Ups, kann ja mal passieren.” Verständlich, passiert halt mal. Er spielte noch einige andere, aber kleinere Rollen. Seine Rolle als französischer Soldat blieb im Gedächtnis. Wie er sich all diese Beschimpfungen merken konnte. Es liefen Tränen vor Lachen beim Publikum. Oui!

Péter Polgár war, ist und bleibt Sir Galahad, oder besser Dennis! Seine Verwandlung von Dennis zu Sir Galahad wurde ja frenetisch gefeiert. Er war der erste, den Artus rekrutierte und besser wurde es dann auch nicht mehr. Er konnte mit seiner Mimik und Gestik das Publikum sofort bannen und blieb trotz aller Komik immer in seiner Rolle. Die wundervollen rostroten Haare seiner Perücke passten ausgesprochen gut zu seinem Teint und untermalten seine Eleganz in allen Zügen. Man(n) muss eben für eine solche Haarfarbe geboren sein, und er ist es. Haargenau!

Martin Muliar spielte Sir Bedevere, oder besser Sir Pupsebär. Egal wo er war, man hörte ihn immer. Seine Auf- und Abstiege von seinem nicht vorhandenen Pferd waren beim Publikum heißbegehrt, bei seinen mitreitenden Ritterkollegen wohl aber eher nicht so. Mit seinem imposanten Schnäuzer und den Haaren, die im gleichen Stil waren, paßte er perfekt in die illustere Truppe der Tafelrunde. Und so ritt er mit Rückenwind in die Herzen des Publikums. Hui!

Lukas Witzel erschien uns in drei Rollen. Einmal als Prinz Herbert, der vor seinem tyrannischen Vater von Sir Galahad mit solcher Vehemenz und Liebe verteidigt wurde, dass sein Herz (und das des Publikums) einfach dahinschmolz. in Ihn musste man sich einfach verlieben, sah er doch einfach zu niedlich aus mit seinen blonden Locken und seinem rosa Kleidchen.
Dann war er der noch-nicht-tote Fred. Wie der Name schon sagt, war Fred nicht tot (zu kriegen). Eben sehr zur Freude des Publikums, erstand (wie passend) er immer wieder auf und “nervte” damit den armen Dennis.
Als drittes spielte er den Historiker. Er führte durch das Stück mit einem herrlich britischen Akzent und einer tollen Frisur. Nur war sein Akzent so inglisch, dass statt dem Inglischen Theater plötzlich das Finnische dastand. Naja um Galahad zu zitieren: “Das kann ja mal passieren.”

Last but not least, die einzige Frau in der Runde: Antje Rietz als die Fee aus dem See. Man was für ein heißer Feger! Dass da aber auch alle Männer im Publikum vor Freude pfiffen, war ja wohl klar. Auch einige Damen reihten sich in die Pfiffe und Jubelschreie mit ein. War sie doch diejenige, die dieses Musical ja erstmal ins Laufen gebracht hat. Denn hätte sie nicht Artus das Schwert gegeben und ihn zum König gemacht, dann hätte Gott ihn ja auch nicht auserwählt, seine Suppentasse wiederfinden zu sollen. Naja zumindest sieht Madame Fee das so. Und das singt sie auch lautstark und beschwert sich dann noch viel lautstarker, dass sie ja im zweiten Teil noch gar nicht dran war. Ja so eine Fee hats nicht leicht unter so vielen Männern. Aber dafür behauptete sie sich supergut und bekam auch am Ende das Sahneschnittchen. Nein, nicht Sir Galahad, sondern den König himself. Also nachdem er es mal kapiert hatte, ihr einen Antrag zu machen.

Ebenso auf der Bühne in immer wieder wechselnden Rollen waren die Herrschaften und Damen des Ensembles und des Extra-Ensembles: Tobias Rupprecht, Elisabeth Schuller, Monika Steinwidder, Mathis Wagenbach, Frank Fiebig, Vera Herberich, Anton Höfler, Nicole Reißmann-Balling und Teresa Ziegler. Hinzu kommt noch die Band mit Walter Lochmann am Klavier, Jan Reinelt am Keyboard, Haiko Heinz an der Gitarre, Chris Reiss am Bass, Aggi Berger an Drums und Percussion, Christine Lochmann an Flöte, Klarinette und Saxophon, Andreas Pranzl an der Trompete und Jochen Rothermel an der Posaune.

Das waren alle, die AUF der Bühne zu sehen waren, doch jedes Stück ist nur so gut, wie halt eben das Creativeteam dahinter ist. Das sind die Leute, die man dann nicht auf der Bühne sieht, die aber genau so wichtig sind, wie die Darsteller und das Orchester. Dazu gehören in diesem Fall Knut Weber, die die Inszenierung leitet. Er hat also den Hut auf. Sebastian Eilers, der für die Choreografie verantwortlich ist. Er sorgt dafür, das sich keiner auf die Füße tritt. Walter Lochmann hat die musikalische Leitung. Ohne Musik ist ein Musical nix. Susanne Hiller ist für die Bühne verantwortlich. Ihr verdanken wir das klasse Bühnenbild. Die Kostüm erschufen Susanne Hiller und Caroline Schreiber. Ohne Bühnenbild und Kostüme ist die ganze Illusion dahin. Charlotte Labenz war für die Ausstattung zuständig und Christoph Pöschko für das Lichtdesign. Ohne ihn sieht man ab 21 Uhr nichts mehr. Um was zu hören, war Anna Harandt für den Ton zuständig. Damit die ganze Technik lief, hatte Udo Beil die technische Leitung und Boris Brandner die Regieassistenz. So viele Leute und Namen.

Dass uns das Stück gefallen hat, sollten wir hier auch noch erwähnen. Selten haben wir soviel und herzhaft bei einem Musical gelacht. Jedes Jahr freuen wir uns auf die Frankenfestspiele und waren bisher fast jedes Mal dabei, seit 2009. Und seit 2011 sogar durchgehend! Und mal ganz ehrlich: die Burg Brattenstein ist der ideale Ort für ein Musical mit einem König und ganz vielen Rittern. Und die ganze Komik und der Klamauk lenken herrlich vom immer wieder stressigen und nervigen Alltag ab. Drei Stunden einfach mal lachen und alles andere vergessen, ist das Beste, was man machen kann.

Weitere Termine:
Freitag 29.06.2018 um 20:30 Uhr
Samstag 30.06.2018 um 20:30 Uhr
Sonntag 01.07.2018 um 19:30 Uhr
Freitag 27.07.2018 um 20:30 Uhr
Freitag 10.08.2018 um 20:30 Uhr
Samstag 11.08.2018 um 20:30 Uhr
Sonntag 12.08.2018 um 19:30 Uhr

Ganz ehrlich, lasst Euch dieses Musical nicht entgehen! Wer immer die Möglichkeit hat, sollte sich auf sein Pferd schwingen und sich auf nach Röttingen machen. Ihr werdet es nicht bereuen! Und wen unsere Rezension nicht überzeugt: Hingehen! Das ist ein königlicher Befehl!

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