„Boys get always the best songs“ – richtig oder falsch?

Wo es überall Locations gibt, die man für Auftritte buchen kann, das dachten wir uns auch, als wir am 26.5.2018 in das kleine GL Studio, im 9. Wiener Gemeindebezirk, das unterhalb des Straßenniveaus liegt, kamen. Eine kleine Bühne unter einem Ziegelsteingewölbe erwartete die Gäste. Die Atmosphäre war sehr intim, da der Rahmen klein gehalten war.

Die beiden Sängerinnen Antje Kohler und Megan Crain luden zu diesem Abend, an dem sie Songs, die man sonst nur von Männern interpretiert hört, zum Besten geben wollten. Um nicht ganz auf das männliche Geschlecht zu verzichten, begleitete sie Michael Schnell am Klavier.

Als Einleitung erzählten sie, wie sie sich durch eine gemeinsame Gesangslehrerin kennengelernt hatten und wie es der Zufall wollte, war diese auch anwesend. Gleich zu Beginn kündigten sie an, dass sie zweisprachig, Antje auf deutsch, Megan auf englisch, sprechen werden, was sich im Lauf des Konzerts als durchaus witzig herausstellte. Nach einem Duett „Lovely Day“ (im Original von Bill Whiters) entschied sich Megan für eine Gruppe, die u.a. aufgrund ihrer damaligen Haarpracht in Erinnerung geblieben ist – Bon Jovi. Bei „Living on a prayer“ bezauberte sie mit ihrer einzigartigen Stimmfarbe und tollem Gesang. Kohler wollte schon immer einmal „Lost in the wilderness“ aus dem Musical „Children of Eden“ singen. Keiner hielt sie auf und das war auch gut so. Der Titel „Make them hear you“ aus „Ragtime“ war ein toller Aufruf, dass alle Megan zuhören sollen, wobei das ohnehin klar war, denn man wollte nichts von ihren Songs versäumen. Bei „Hair“ aus dem gleichnamigen Musical lebten sie die Nummer bis in die Haarspitzen und zeigten wie ein Männerduett auch toll von Frauen gesungen klingen kann. Mehr Gefühl als von Antje Kohler bei „Easy“ (von den „Commodores“) ging schon fast gar nicht mehr. Back to the 90ies hieß es für Megan bei Jamiroquais „Virtual Insanity“. „I’ll be here“ aus „The Wild Party“ wird Kohler wohl auch nie im Stück selbst singen können, an diesem Abend spielte die Tatsache, dass es sich um einen Männersong handelte keine Rolle und so gab es wieder ein wunderschönes Solo von ihr. Crain nahm dann selbst hinter dem Klavier Platz und hatte sich für „Belief“ von Gavin DeGraw entschieden. Dieser Song gefällt ihr offenbar sehr, da sie in ihm aufging und einmal mehr ihr Stimmvolumen zeigen konnte. Die beiden Sängerinnen hatten dann auch ein Gewinnspiel vorbereitet, bei dem man entweder eine CD von der einen oder eine CD von der anderen gewinnen konnte. Humorig, vor allem dank der Zweisprachigkeit kündigten sie es an und wollten den letzten Song des Abends vom Publikum wissen. Natürlich gab es auch ein paar Hinweise. Einen exotischen Titel aus der Kindheit der beiden bekam man angekündigt und dann sangen sie ein sehr amüsantes „Hakuna Matata“ aus „Der König der Löwen“.

Nach der Pause standen sie nicht, wie das Lied vermuten ließ „Under Pressure“, sondern waren im Gegenteil sehr relaxed. Antjes Mann hatte sich von ihr einen Titel gewünscht und natürlich konnte sie ihm den Wunsch nicht abschlagen. Den Song von Judas „Heaven on their minds“ hatte man so sicher noch nie gehört und Megan machte ihr das Kompliment, dass sie wohl die einzige Frau wäre, die das so toll hinbekommt. Megan zeigte an diesem Abend, dass sie die unterschiedlichsten Genres locker bedienen kann und man hörte teilweise noch höhere Töne, als eigentlich nötig gewesen wären, die das Publikum aber sehr begeisterten. So auch „Bring him home“ aus „Les Miserables“, einer der typischen Männersongs aus dem Stück. Real American Country Music wurde dann angekündigt, aber zur großen Überraschung nicht von Megan, sondern Antje gesungen („Bless the broken road“ von Rascal Flatts). „Would I lie to you“ (ein One-Hit-Wonder von Charles & Eddie) fragen sie dann gemeinsam und Crain hatte kurzfristig sogar einen touch Anastacia in ihrer Stimme. Pianist Schnell durfte den Song sogar mit „Oh yeah“ verfeinern. Der einzige Song des Abends, der auf deutsch gesungen wurde, lag Kohler sehr am Herzen und sie überzeugte mit einem wunderbaren „Ausgeliefert“ (Hansi Dujmic). Einen Titel, der in Megans Kindheit entführte war „The bare necesseties“ aus „Das Dschungelbuch“ und da sie sich nicht entscheiden konnten, welchen Song sie von Stevie Wonder singen wollen, wurde es einfach ein Medley aus vier Titeln. Danach folgte die CD Verlosung, die richtige Antwort hatten sogar einige erraten.

Es war „Don’t let the sun go down“ von Elton John und George Michael und auch der letzte Titel des Abends, der einzigartig war und hoffentlich nicht einmalig bleiben wird.

Quelle: Andrea Martin

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