Don Pasquale aus der Operá Garnier: Alter schützt vor Torheit nicht

Am 19.  Juni 2018 wurde im Cinecitta Nürnberg im Rahmen der Reihe “Klassik im Kino” die Oper “Don Paquale” gezeigt. Die Übertragung fand aus der Opera Garnier in Paris statt. Die Oper von

“Don Pasquale” ist eine Opera buffa in 3 Akten. Das Libretto stammt von „M. A.“ (Michele Accursi  = Giovanni Ruffini und Gaetano Donizetti nach älterer Vorlage) und die Musik von Gaetano Donizetti. Die Uraufführung war am 3. Januar 1843 im Pariser Théâtre-Italien.

Zu Beginn der Übertragung, sowie in der Pause gab es wieder interessante Interviews, die Details zur Produktion verrieten. Ein wirkliches “Goodie”, das die Liveübertragung noch lohnenswerter macht.

Inhalt

Der reiche, geizige und schon etwas ältere Junggeselle Don Pasquale will heiraten. Sein Neffe Ernesto liebt die junge aber mittellose Witwe Norina, soll aber eine reiche Dame heiraten. Als er sich weigert, fordert ihn sein Onkel auf, das Haus zu verlassen. Malatesta erscheint und erzählt, er habe eine geeignete Braut für den alten Hagestolz gefunden: seine eigene, im Kloster erzogene Schwester Sofronia. Dies ist niemand anderes als Norina, nur wurde Ernesto noch nicht in Malatestas Pläne eingeweiht.

Malatesta unterbreitet ihr seinen Plan: Sie soll, verkleidet als Unschuld vom Lande, Don Pasquale zum Schein heiraten und ihm dann als Biest das Leben zur Hölle machen. 

Ernesto verabschiedet sich von Norina und macht sich auf den Weg in die weite Welt. Malatesta führt die verschleierte Norina herein, von deren Anblick Don Pasquale sofort hin und weg ist. Er möchte sie sofort heiraten. Ein falscher Notar setzt den Ehevertrag auf, den Malatesta und der inzwischen eingeweihte Ernesto bezeugen. Kaum ist der Vertrag unterschrieben, flirtet Norina für alle sichtbar mit Ernesto an. Als Don Pasquale sie zur Rede stellt, verhöhnt sie ihn nur.

Norina schwelgt von nun an in Luxus. Eines Abend erklärt sie Don Pasquale, sie wolle ins Theater gehen. Als er ihr das verbietet, ohrfeigt und verhöhnt sie ihn. Aus Absicht lässt sie einen Brief fallen: Statt ins Theater zu gehen, trifft sie sich mit Ernesto im Garten. In seiner Not ruft Don Pasquale Doktor Malatesta. Der zeigt sich erbost über das Verhalten seiner „Schwester“. Beide wollen das junge Paar im Garten in flagranti erwischen.

Ernesto und Norina versichern einander ihre Liebe. Malatesta und Don Pasquale kommen herbei. Malatesta erklärt dem verdutzten Don Pasquale, Ernesto sei gar nicht in „Sofronia“ verliebt, sondern wolle mit seiner Verlobten wieder in das Haus einziehen. Als „Sofronia“ sich entrüstet weigert, das Haus mit einer anderen Frau zu teilen, sieht Don Pasquale eine Möglichkeit, seine Frau loszuwerden und stimmt zu, verspricht Ernesto sogar eine Menge Geld. Da enthüllt ihm Malatesta „Sofronias“ wahre Identität. Don Pasquale steht zu seinen Versprechen, denn er sieht ein, dass ein alter Hagestolz von jungen Frauen keine Liebe zu erwarten hat. (Quelle: Wikipedia)

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Ein paar Worte vorweg

Vorweg sei gesagt, daß es einen Nachteil: die Untertitel wurden nicht mitgeschickt, d.h. das Publikum im Cinecitta mußte mit den italienischen Originaltexten vorliebnehmen. Einziger Rettungsanker war die Inhaltsangabe. Und es gab einen Vorteil: die Untertitel wurden nicht mitgeschickt, d.h. das verbliebene Publikum (einige sind gleich zu Anfang, andere in der Pause gegangen) wurde nicht mit Lesen der Untertitel abgelenkt und konnte sich so ganz auf Gestik, Mimik und vor allem die Musik konzentrieren. Genaugenommen ein einzigartiger Genuß.

Es muß auch dazu gesagt werden, daß das Cinecitta in der Pause anbot, die Vorstellung zu verlassen und die Karten stornieren zu lassen. Man bekam also sein Geld zurück. Zu unserem Erstaunen nahmen nur eine Handvoll Leute dieses Angebot in Anspruch, der Rest blieb.

Gewohnte Qualität

Wie von dem Ensemble der Pariser Oper gewohnt, waren die schauspielerischen und gesanglichen Qualitäten wieder einmal hervorragend.

Don Pasquale wurde überzeugend von Michele Pertusi gespielt. Die volltönende Stimme machte klar, wer hier der Herr im Hause ist. Zumindest vorerst. Das Auf und Ab des Charakters, vom Hausherrn zum geprügelten Straßenköter nahm man Michele Pertusi ohne einen Hauch von Zweifel ab und so litt man ein wenig mit ihm, selbst wann man Don Pasquale im ersten Akt am liebsten mal die Meinung gesagt hätte. Es war eine Freude, im zuzuhören.

Florian Sempey gab Doktor Malatesta, eine doppelspaltige Rolle. Der gute Freund auf der einen Seite und der Marionettenspieler auf der anderen Seite. Um diese Rolle glaubwürdig zu verkörpern, braucht es Können – und das war definitiv mehr als vorhanden. Der lässige Doktor zog die Fäden in diesem Spiel und behielt die Überblick. Gekonnt in Szene gesetzt und mit lässiger Art gespielt, zog er das Publikum in seinen Bann, nicht ohne den einen oder anderen Lacher zu provozieren.

Die Rolle des Ernesto wurde fabelhaft von Lawrence Brownlee ausgefüllt. Der Neffe von Don Pasquale hatte Anfangs nicht viel zu lachen, später dafür umso mehr. Beides nahm man dem talentierten Sänger ab und litt mit ihm. Seine spätere Schadenfreude begeisterte das Publikum während seine wunderbare Stimme und sein offenes Lachen das Herz erwärmte.

Lobend erwähnt sei auch Nadine Sierra, in der Rolle der Norina. Sie spiele die Rolle mit Leidenschaft und Anmut, die es eine Freude machten, ihr zuzuhören und zuzusehen. Den vor allem auch ihre Mimik war umwerfend. Sie verlieh dem Ganzen noch ein Stück mehr vom Komischen und ihre Schadenfreude über den gebeutelten Don Pasquale war deutlich spürbar.

Das Ganze komplett macht Frédéric Guieu als Notar und eine namentlich leider nicht bekannte Dame als Haushälterin. Die beiden Rollen, die Haushälterin war eine stumme Rolle, brachten das Spektakel zu einem runden Abschluß und sorgten für ihre liebvollen Details für den einen oder anderen Schmunzler.

Bei dieser Übertragung fehlten – wie schon erwähnt – die Untertitel. Ein Umstand, der die Aufmerksamkeit umso mehr auf Mimik und Gestik der Schauspieler zog. Und darin waren sie allesamt hervorragend. Mit ein bißchen Lektüre des Inhalts und dem bloßen Zusehen konnte man die Oper auf eine ganze besondere Art und Weise erschließen.

Die Leistungen der Darsteller waren von Anfang bis Ende großartig und machten den Abend zu einem Erlebnis.

Kreatives Team

Das Bühnenbild von Paolo Fantin war einfach und genial. Multifunktional, sprechend und mit klaren Linien lenkte es nicht vom Geschehen ab. Das Bühnenbild war grob in der Gegenwart angesiedelt und vermittelte im ersten Akt mit einer Leichtigkeit die geizige Lebensweise des Don Pasquale. Im zweiten Akt hingegen strotzte es vor Pomp und Prunk ohne überladen zu wirken. Für die Kostüme zeichnete Agostino Cavalca verantwortlich, der passend zum Bühnenbild ebenso schlichte und zeitgemäß Varianten wählte. Mit Licht in Szene gesetzt wurde durch das Beleuchtungskonzept von Alessandro Carletti, das aus der Bühne ein Gesamtkunstwerk machte.

Unterstützt wurde das Ensemble vom Orchester und Chor der Opéra national de Paris. Durch den Abend dirigierte Evelino Pidò mit sichtbarer Leidenschaft, die Chorleitung hatte Alessandro Di Stefano inne. Orchester und Chor rundeten das Gesamterlebnis mit einer hervorragenden Leistung ab.

In English, please

For our non-german speakers a short synopsis of the review in english

As expected by the Opera National de Paris the ensemble did an amazing job. Not only the principal roles but also the orchestra and the choir were fabulous, giving the audience a splendid evening. The fact of the missing subtitles in the cinema gave the opportunity to concentrate on mimic and gestures which really was a delight to see.

Stage setting, costumes and light were brillant and fit very well in the story. The stage set was cleverly designed, while costumes and lights did support the playing on stage.

A big “Brava!” to all who make that evening happening.

Quelle: Alexander Brock

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