“Alcina” im Theater Hof: Zu Gast auf Alcinas Insel

Am Samstag hatten wir das Glück, einer Barockoper beiwohnen zu dürfen. War auch für uns eine Premiere, nicht nur für das Theater Hof. Gegeben wurde “Alcina” von Händel und das anwesende Publikum war sehr gespannt. Es waren schon so einige Opernkenner anwesend. Manch einer sang sogar mit. Ja wirklich, in einer Oper. Es gab auch begeisternden Applaus am Ende, teilweise auch zwischendurch. Zu Recht. Die Darsteller waren wirklich brillant und demonstrierten ihr Können in Gesang und Schauspiel voller Leidenschaft und Hingabe und zogen alle Anwesenden mit sich auf Alcinas Insel.

Inhalt (übernommen vom Theater Hof):
Die Zauberin Alcina lebt auf einer Insel im Meer. Sie nutzt ihre magischen Kräfte, um Seefahrer anzulocken und zu verführen. Allerdings: Sobald sie dieser überdrüssig ist, verwandelt Alcina die jungen Männer in Steinbrocken oder wilde Tiere. Bis sie auf den Ritter Ruggiero trifft, sich unsterblich in ihn verliebt und versucht, ihm die Erinnerung an sein Leben und seine Braut Bradamante zu rauben…

Dass Opern nicht wirklich jedermanns Sache sind, muss man nicht ausweiten. Entweder man läßt sich darauf ein, oder man erlebt einen Abend, der nie zu enden scheint. Dieser Abend in Hof endete wirklich relativ schnell, wenn man bedenkt, dass auch diese Oper eine normale Länge von über 2 Stunden hatte. Doch war die Geschichte sehr fesselnd (und verständlich) und die einzelnen Arien eben nicht 15 Minuten lang. Wie es in Opern so üblich ist, bestanden die Lieder nur aus wenigen Textzeilen, die immer wieder wiederholt wurden. Hatte den Vorteil, dass man schon bei der zweiten Wiederholung die Augen schließen konnte und die Musik mal ohne Übertitel und Darsteller einfach nur hörte, ohne zu sehen. Ein Tipp, den ich letztens mal bekommen habe. Wir erinnern uns?

Doch isst das Auge schließlich ja auch mit und konnte sich an dem wunderbaren Bühnenbild von Hinrich Horstkotte so richtig satt “essen”. Er war auch für die Kostüme zuständig und diese passten wundervoll zu seinem Bühnenarrangement. Hinzu kamen die Videographien von Sophie Lux. Diese waren dann das Tüpfelchen auf dem i. Für die Ohren gab es auch sehr viel zu “essen”. Zum einen die verzaubernden Stimmen der Darsteller und zum anderen das Orchester, welches mit einigen besonderen Instrumenten ausgestattet wurde. So gab es ein Cembalo (gespielt von Claudio Novati und Mechthild Winter in wechselnden Vorstellungen), eine Laute (gespielt von Martin Steuber) und ein Cello (gespielt von Yerin Lee und Wolf-Dieter Zastrow im Wechsel). So kam so richtig barockes Feeling auf.

Die Darsteller im Einzelnen:
ALCINA: Inga Lisa Lehr; uns jetzt eine Unbekannte am Theater Hof und doch schon seit geraumer Zeit dort. Ihre Alcina entwickelte sich von der übermächtigen Herrscherin zur gebrechlichen alten Frau so überzeugend, dass man am Ende schon wieder Mitleid mit ihr hatte, als sie sterbend in den Armen ihrer Schwester lag. So muss Oper sein, zum Mitfühlen

RUGGIERO: Antonio Giovannini; er ist leider nur diese Spielzeit am Theater Hof. Seine Stimme ist etwas ganz Besonderes: er ist Countertenor und konnte sich in den großen Arien mit den beiden Ladys Alcina und Bradamante stimmlich anlegen, und zwar so gut, dass man am Ende nicht mehr wußte, wer singt nun was. Auch seine Verwandlung vom kleidchentragenden Geliebten der Alcina zum Soldaten und Verlobten Bradamantes war phänomenal. Er bekam zu Recht sehr stürmischen Applaus.

BRADAMANTE: Stefanie Rhaue; uns keine Unbekannte. Sie haben wir schon in so einigen Stücken gesehen und waren von ihr nie enttäuscht. So auch dieses Mal nicht. Ganz ehrlich, wir freuen uns immer, wenn sie in der Besetzungsliste zu finden ist. Ihre Bradamante, die ja erst als ihr “Bruder” auftrat und sich Morganas Avanchen erwehren mußte, trat dann in der zweiten Hälfte als sie selbst auf und machte in ihrer Uniform (ihr Kostüm gibt dem Wort Uniformrock eine neue Bedeutung) eine gute Figur. Würdig einer Königin.

MORGANA: Yvonne Prentki; uns auch eine Unbekannte und zum ersten Mal am Theater Hof. Ihr Charakter erfreute das Publikum und auch uns sehr. Sie war düster und dann wieder lustig und fröhlich und hopste in ihren Rabenfedern am Popo über die Bühne. Und ihre Stimme fegte alle von den Sitzen, da lachte dann keiner mehr, aber man hatte den Mund dennoch offen vor Staunen.

ORONTE: Minseok Kim; er ist neu seit dieser Spielzeit am Theater Hof und eine wirkliche Bereicherung für das Ensemble. Mit seiner Ausdruckskraft in der Stimme und seinem Erscheinen konnte er die Zuschauer für sich gewinnen und zog jeden mit. Wir sind gespannt darauf, ihn in weiteren Rollen sehen zu dürfen.

MELISSO: Rainer Mesecke; auch er ist neu am Theater Hof und macht neugierig auf mehr. Sein Melisso war stark und einfühlsam, konnte sich aber auch durchsetzen und er unterstütze seine Königin auf all ihren Wegen.

Zusammen mit dem Opernchor, dem Ballett und den Hofer Symphonikern stand ein hochbegabtes und hochmotiviertes Ensemble auf der Bühne, welches nur ein Zeil zu haben schien: das Publikum zu begeistern. Und das hat es geschafft.

Die Oper ist in italienisch, mit deutschen Übertiteln. Von daher ist es sehr praktisch wenn man im Rang sitzt, dann muss man den Kopf nicht so nach oben halten, um die Übertitel lesen zu können. reihe 2 ist da sehr empfehlenswert. Wir haben es getestet und für sehr gut befunden.

Mehr Infos zu Alcina gibt es auf der Webseite des Theaters Hof.

Quelle: Christine

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