We are musical, The Next Generation: ein letztes Mal standen 8 junge Talente gemeinsam auf der großen Bühne

Im letztem Jahr haben sich zwei Tochterunternehmen der Wien Holding, nämlich die Vereinigte Bühnen Wien Ges.m.b.H. und die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien zusammengetan, um dem hoffnungsvollen Nachwuchs ein letztes Mal, bevor er auf die Bretter, die die Welt bedeuten, losgelassen wird, eine Plattform für eine gemeinsame Darbietung zu geben. Unter dem Titel „We are Musical, The Next Generation 2018“ gaben die AbsolventInnen des 4. Jahrgangs der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien ein Abschiedskonzert der MUK-Musicalabteilung im Ronacher. Erst kurz davor hatten sie alle ihren Abschluss gemacht. Gezeigt wurden Ausschnitte aus ihren Abschlussshows, aber auch neue Songs wurden gemeinsam einstudiert. Als Moderator konnte wieder Werner Sobotka, der auch gleichzeitig stellvertretender Studiengangsleiter für „Musikalisches Unterhaltungstheater“ an der Uni ist, gewonnen werden. Auch gaben sich vier special guests die Ehre, zumindest drei davon haben schon das Studium abgeschlossen und sind zu einem Fixpunkt auf den diversen Bühnen geworden.

Nach einer kurzen Begrüßung von Franz Patay, seines Zeichens Noch-Rektor der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien sowie Geschäftsführer der VBW und Intendant Christian Struppeck wurde auch gleich der neue Rektor, der frühere Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath Pokorny vorgestellt, der mit 1.9.2018 dieses Amt übernehmen wird.

Die SolistInnen des Abends waren: Alexandra-Yoana Alexandrova, Katharina Gorgi, Enny de Alba, Kaj Louis Lucke, Diana Schnierer, Florine Schnitzel, Tom Wagenhammer und Lukas Weinberger. Um diese acht drehte sich der Abend, die KollegInnen der Jahrgänge 1-3 hatten hinter ihnen auf der Bühne Platz genommen, unterstützen bei ein paar Darbietungen und durften schon einmal die Bühnenluft einer großen Bühne schnuppern. Werner Sobotka sorgte mit seinen humorigen Moderationen oftmals für Lacher, so zum Beispiel, als er meinte „er hat eine große Zukunft hinter sich“, gemeint waren die vielen jungen Talente, die sich hinter ihm auf der Bühne befanden. In zwei Stunden, ohne Pause, wurde dann gezeigt, was die acht und natürlich die Stargäste (Sigrid Hauser, Boris Pfeifer, Otto Jaus und Raphael Groß) so alles draufhaben. Das Publikum wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil, es feierte die Stars von morgen…Die 7-Mann starke Liveband unter der Leitung von Peter Uwira hatte auf der Bühne Platz genommen, die noch immer die Kulisse des soeben abgespielten Musicals „Tanz der Vampire“ zierte.

Die Textzeile „I’m a hit, and you don’t even know it“ aus dem Song aus „Everybody’s talking about Jamie“, das derzeit Triumphe am Londoner West End feiert, war das geheime Motto der Veranstaltung. Dieser wurde auch gleich als erstes von allen gemeinsam dargeboten. Aktuell kennt man noch nicht alle der acht AbsolventInnen und weiß demnach noch nicht, was sie können, dass alle Talent haben, ist unbestritten, wie sie dies nutzen können und werden, wird man sicher sehr bald erfahren. Vielleicht bleiben nicht alle im Bereich Musical, aber ihnen stehen ja viele Wege offen.

Diana Schnierer braucht man den Wienern nicht mehr vorzustellen, da sie ihnen in den letzten Monaten als Erstbesetzung der Sarah in „Tanz der Vampire“ ans Herz gewachsen ist. Sie eröffnete mit einer Mischung aus „Here I am“ und „Mein Sinn für Stil“ aus „Dirty Rotten Scoundrels“ bzw. „Aida“ machte nicht nur mit Federboa und sexy Choreo auf sich aufmerksam. Tom Wagenhammer wirkte wie der Ruhepol der Gruppe und hatte seinen ersten Auftritt mit „Being Alive“ aus „Company“. Sowohl stimmlich als auch vom Ausdruck her ein Temperamentbündel der ersten Klasse war Katharina Gorgi, die im roten Kleid „They just keep moving the line“ (aus „Smash“) zum Besten gab. Sobotka begrüßte als ersten Gast Boris Pfeifer. Alle Gäste durften sich aussuchen, ob sie etwas allein singen oder gemeinsam mit einem Absolventen darbieten möchten. Pfeifer hatte sich als Duettpartner Kaj Louis Lucke ausgesucht. Dieser wurde sogar durch Pfeifer’s einstige Darbietung des Fürsts in „Romeo & Julia“ inspiriert und so war es für ihn auch ein besonderes Duett, das sie mit „You’re nothing without me“ zum Besten gaben. Beide lieferten sich einen heiteren gesanglichen Schlagabtausch. Eine fast schon zerbrechliche Version von „Out of my head“ (von Kooman & Dimond) gab es dann von Florine Schnitzen zu hören. „Stock und Hut, stehen ihm gut“… das konnte man auch von Lukas Weinberger behaupten, der sich als flottes „Broadway baby“ (aus „Follies“) entpuppte. Mit „In my dreams“ gab es von Alexandrova einen schönen Einblick in das bei uns (noch) unbekannte „Anastasia“.

Als einzige „Gästin“ des Abends wurde Sigrid Hauser von Werner Sobotka begrüßt. Sie erinnerte sich noch gut und vor allem gern an ihre Ausbildung zurück und wies mit einem spitzbübischen Seitenhieb darauf hin, dass sie sich ja auf’s Tanzen spezialisiert hatte. Bei ihrer Interpretation von „Crazy world“ aus „Victor/Victoria“ ging es allerdings alles andere als crazy zu, sondern sie zeigte eine ruhige Seite von sich. Danach ließ Lucke mit einer deutschen Version von „Kuss der Spinnenfrau“ aufhorchen. Spanisches Flair verströmte dann de Alba mit ihrem Titel „El dìa que me quieras“. Als so gar nicht schüchterne Sr. Mary Robert aus „Sister Act“ interpretierte Schnierer stimmgewaltig „Die Welt, die ich nie sah“. Weinberger gab sich bei einem Mix aus „Never had a friend like me“ und „I wanna make the world laugh“ (aus „Aladdin“ bzw. „Mack and Mabel“ als der geborene Entertainer. In glitzerndem Frack und Zylinder nutzte er die Bühne für seine Show und legte eine flotte (Step)Sohle auf’s Parkett. Auch die Mission des zweiten Songs wurde gekonnt erfüllt, denn wer konnte nicht nach dieser Darbietung lachen? Als weiterer Stargast konnte Otto Jaus, vor allem aufgrund des kongenialen Duos „Pizzera & Jaus“ vielen ein Begriff, begrüßt werden. Genau vor 10 Jahren hat auch er seinen Abschluss gemacht und vor allem an die Ballettstunden kann er sich erinnern, als ob sie gestern gewesen wären. Trotz des Erfolgs mit dem Musikkabarett ist er natürlich dem Theater/Musical weiter nicht abgeneigt und er lässt alles auf sich zukommen. Für diesen Abend hatte er sich für „Live in living color“ aus „Catch me if you can“ ausgesucht. Passend wurde die Bühne für ihn in farbiges Licht gehüllt und er zeigte den swingenden Entertainer in sich.

Tolles Gruppenfeeling verbreiteten alle gemeinsam bei „A new world“ aus „Songs for a new world“, ein perfekt passender Titel für die Situation, in der sie sich befinden. Eine neue Welt tut sich für sie auf und keiner weiß, welchen Weg es einzuschlagen gilt. Dann betraten Diana Schnierer und Raphael Groß für ein kurzes Interview mit ihrem „Papa“ (Sobotka sah sich so, da er sie lange begleitet hatte). Beide hatten natürlich nicht gedacht, dass die Hauptrollen in „Tanz der Vampire“ so ihr Leben verändern würden, sind aber natürlich mehr als dankbar, dass ihnen diese Chance gegeben wurde. Gemeinsam interpretierten sie dann „Only us“ aus „Dear Evan Hansen“. Beide zeigten, wie gutes Partnering auf der Bühne funktioniert und sie ließen sich vor allem gegenseitig stimmlich Raum.

„Ich bin fabelhaft…“, normal sollte man sich ja nicht selbst loben, in dem Fall war es aber Teil des Songs „Fabelhaft Baby“ („Sister Act“) und auf keinen Fall untertrieben. Mit ihrer markanten Stimme, die auf jeden Fall ihr Markenzeichen ist, sang Enny de Alba diesen Song und sorgte für Begeisterung. Wagenhammer zeigte lässig in „Zieh die Schuh aus“, welches man von Roger Cicero kennt, dass er sich nur ungern von Frauen etwas sagen lässt. Tolle Töne bekam man dann von Gorgi im wunderschönen weißen Kleid bei „Will you?/The man that got away“ (aus „Grey Gardens“ bzw. „A Star is born“ zu hören. Danach war es Zeit für die Kleinen. Kinder und Jugendliche der VBW-Musicalklasse „music moves“ (in Kooperation mit Superar) zeigten mit „This is me“ aus „Greatest Showman“, wie die Musicalzukunft aussehen kann. Hut ab, die kleinen waren richtig gut.

Normal stürmt Otto Jaus mit Kollegen Paul Pizzera die Hitparaden. An diesem Abend holte er sich für den Hit „Eine ins Leben“ Unterstützung von Sigrid Hauser und Boris Pfeifer. Die Bühne brannte, der Saal tobte, Herz, was willst du mehr? Von einer völlig anderen Seite präsentierte sich dann Florine Schnitzel, was man von ihr so gar nicht erwartet hätte. „Everybody’s girl“ (aus „Steel Pier“ bzw. „I gotcha“ von Joe Tex wurden kombiniert und mit einer fast schon nicht jugendfreien Tanzeinlage umgarnte sie Timo Tatzber, der gar nicht wusste, wie ihm geschah. Auch Lucke sorgte mit seinem Solo „So sehr fehlt mir dein Gesang“ aus „Liebe stirbt nie“ für einen tollen Moment. Für einen sehr interessanten Mix aus „Take me“ („Rent“) und einem Hauch „Königin der Nacht“ aus „Die Zauberflöte“ machte Alexandra-Yoana Alexandrova auf sich aufmerksam. Danach wusste man, diese Sängerin ist auf jeden Fall vielfältig einsetzbar, da waren unglaubliche Töne dabei, die ihresgleichen suchten.

Zum Schluss sahen alle noch gemeinsam in die Zukunft, um zu sehen, was das Morgen so bringt. Mit „Bring on tomorrow“ aus „Fame“ gaben sie ein starkes, emotionales Finale. Wir wünschen allen diesjährigen AbsolventInnen alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft, wie auch immer diese aussehen mag!

Quelle: Andrea Martin

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